Am nächsten Abend ging Jurii wieder auf denselben Platz, wo er Karssawina und Dubowa begegnet war.
Den ganzen Tag über machte es ihm Vergnügen, sich an den Abend, den er mit ihnen verbracht hatte, zu erinnern und er wünschte, sie wieder zu treffen, mit ihnen über dasselbe zu sprechen und wieder den gleichen Ausdruck von Teilnahme und Zärtlichkeit in den lustigen und hingebenden Augen Karssawinas zu sehen. Der Abend war überaus heiter, war still und schwül. Auf dem Boulevard traf er außer einigen flüchtigen Bekannten keinen Menschen.
Jurii schüttelte den Kopf, ärgerlich über das verdrießliche Gefühl, das in seiner Brust Platz griff, als wenn er von jemandem beleidigt worden wäre, und ging langsam, stumpf vor sich auf die Füße blickend, über den Boulevard.
„Wie langweilig,“ dachte er, „was soll man jetzt anfangen?“
Plötzlich kam ihm mit eiligen Schritten der Student Schawrow entgegen, der seine freie Hand auf und nieder schwenkte und ihm schon von ferne höflich zulächelte.
„Was bummeln Sie herum,“ fragte Schawrow freundlich, blieb stehen und reichte Swaroschitsch die Hand.
„Es ist langweilig, ich habe nichts zu tun. Und wo wollen Sie hin?“ Juriis Worte klangen faul und herablassend. Er sprach stets in diesem Tone mit Schawrow, auf den er, als ehemaliges Komiteemitglied, wie auf ein einfaches Studentchen, das ein wenig Revolution mitspielt, herabblickte.
Schawrow lächelte mit der Selbstgefälligkeit eines glücklichen Menschen: „Wir haben heute einen Volksvortrag,“ und er wies auf einen Stoß dünner, bunter Broschüren hin, die er im Arm trug.
Jurii nahm aus seiner Hand mechanisch eine der Broschüren, schlug sie auf und las den langen, dürren Titel eines populären, sozialwissenschaftlichen Artikels, den er selbst schon längst gelesen und wieder vergessen hatte.