Jurii sah sie mit Neugierde an. Das gewohnheitsmäßige eindringliche Interesse des Propagandisten wurde in ihm rege. Da tauchten alte und junge Leute auf und auch Kinder waren unter ihnen; sie stachen mit ihren frischen Köpfen hell von den dunklen Kleidern der hinter ihnen Drängenden ab. In der ersten Reihe hatte niemand Platz zu nehmen gewagt; sie wurde erst später durch einige Damen, die Jurii unbekannt waren und wenig interessant aussahen, den dicken Schulinspektor und die Lehrer und Lehrerinnen des Knaben- und Mädchenprogymnasiums besetzt.

Der ganze übrige Saal aber schien im Augenblick überschwemmt von Leuten in Jacken und Joppen, von Soldaten, Bauern, Weibern und zahlreichen Kindern in bunten Hemdblusen.

Jurii setzte sich neben Karssawina an den Tisch und hörte aufmerksam hin, wie Schawrow ruhig, aber schlecht, über das allgemeine Wahlrecht vorzulesen begann.

Schawrow hatte eine dumpfe starke Stimme und alles, was er las, machte dadurch den Eindruck einer trockenen statistischen Tabelle.

Und doch hörte man ihm aufmerksam zu; nur in der ersten Reihe fingen die Vertreter der Intelligenz bald an zu tuscheln und sich zu bewegen. Jurii wurde dadurch gestört und ärgerte sich; er bedauerte, daß Schawrow so schlecht vorlas. Als er merkte, daß dieser müde wurde, neigte er sich zu Karssawina und flüsterte ihr ins Ohr: „Lassen Sie mich doch zu Ende lesen.“

Karssawina warf durch ihre Wimpern einen zärtlichen Blick auf ihn: „Das ist sehr schön! Lesen Sie!“

„Läßt es sich denn machen?“ fragte Jurii nun, indem er ihr, wie einem heimlichen Verbündeten, zulächelte.

„Gewiß geht es, alle werden damit zufrieden sein.“

Sie benutzte eine kurze Pause, um es Schawrow zu sagen. Dieser war müde und empfand selbst lästig, daß seine Stimme so häßlich klang. Er willigte ein, indem er deutlich seine Freude darüber zeigte.

„Bitte, bitte,“ sagte er; nach seiner Gewohnheit wiederholte er das Wort, ihm dadurch eine besondere Wichtigkeit verleihend, und trat seinen Platz ab.