Er erzählte ihr die Phantasie. Das Mädchen schaute sich um, blickte lange in den Garten mit Augen, die nachdenklich und tief geworden waren.
Und Jurii dachte: Wenn sie plötzlich die Kleider von sich würfe und in fröhlicher, glücklicher Nacktheit hinein in das grüne Dickicht liefe, dann wäre das gar nicht sonderbar, — nur wundervoll und natürlich. Und es würde das grüne Leben des Gartens nicht stören, sondern ergänzen, ausfüllen und erhöhen.
Jurii verlangte es, ihr auch diesen Gedanken mitzuteilen, er wagte es aber nicht und sprach wieder von verschiedenen Referaten und der allgemeinen Volksbewegung. Das Gespräch stockte bald und versiegte, als ob sie nicht von dem sprachen, was ihnen das Nächste gewesen wäre. So gingen sie lächelnd bis zur Pforte und streiften mit ihren Schultern die nassen, triefenden Büsche. Ihnen schien alles ins Schweigen zu versinken, ebenso nachdenklich und im gleichen Glück wie sie selbst.
Im Hofe war es wie vorher still und leer. Nur das weiße Häuschen sah mit seinen offenen Fenstern schwarz zu ihnen herüber. Doch die Pforte nach der Straße zu stand offen, und aus dem Zimmer hörte man Schritte und Poltern, als würde das Schubfach einer Kommode mit Gewalt aufgerissen.
„Ah, Ola ist gekommen,“ rief Karssawina.
„Sina, bist du da,“ fragte Dubowa vom Zimmer her. Ihrer Stimme merkten beide sogleich an, daß etwas Schlimmes vorgefallen war. Dubowa trat auf die Treppe hinaus, blaß und fassungslos. „Wo steckst du? Ich suchte dich, Semionow stirbt!“ rief sie keuchend und sich überstürzend.
„Was,“ fragte Karssawina entsetzt und lief auf sie zu.
„Ja, er stirbt. Er hat einen Blutsturz gehabt. Anatoli Pawlowitsch meint, daß es zu Ende geht. Wir haben ihn ins Krankenhaus gebracht. Und wie eigentümlich und unerwartet. Wir saßen bei Ratows und tranken Tee. Er war so lustig, stritt sich mit Nowikow herum, und dann hustete er plötzlich, stand auf, schwankte, und Blut stürzte, stürzte — so — einfach — direkt aufs Tischtuch, — in den Teller mit Eingemachtem hinein. Dicht, schwarz — — —“
„Und wie? Er — weiß er ...,“ fragte mit brennender Neugierde Jurii, dem in diesem Augenblick die Mondnacht, die schwarzen Schatten, und die aufgeregte, traurige Schwäche jener Stimme einfiel: — — — Und Sie werden noch leben, werden an meinem Grabe vorbeigehen, irgend eines Bedürfnisses wegen stehen bleiben und ich — — — —
„Er scheint es zu wissen,“ unterbrach Dubowa, mit nervösem Zucken ihrer Arme, seine Gedanken. „Er sah uns alle an und fragte: ‚Was bedeutet das? ...‘ Und dann bebte er am ganzen Körper und sagte noch: ‚Schon? ...‘ Ach, wie abscheulich und furchtbar das ist.“