Alle schwiegen. Nun wurde es ganz still und trotzdem die Luft ebenso durchsichtig und klar wie früher war, kam es ihnen vor, als wäre die ganze Welt plötzlich mit einer dunklen Decke überzogen worden.

„Eine entsetzliche Sache — der Tod,“ sagte Jurii und erblaßte.

Dubowa seufzte und senkte die Blicke zu Boden, Karssawina bebte das Kinn; sie lächelte schuldbewußt und bedauernswert. Sie konnte das niederdrückende Gefühl der anderen nicht ertragen, weil ihr ganzes Wesen von Leben erfüllt war. Es ließ nicht zu, daß sie sich den Tod vergegenwärtigte. Sie konnte sich kaum vorstellen, daß jetzt, wo sie ein so prächtiger Sommerabend umgab und alles in ihr voll Glück und Freuden schwankte, ein Mensch leiden und sterben sollte.

Ihre Empfindungen waren nur natürlich; aber ihr schien, daß sie schlecht seien. Sie schämte sich ihrer; unbewußt bemühte sie sich, sie zu unterdrücken und an ihrer Statt bessere hervorzurufen. Mehr als Jurii und Dubowa drückte sie deshalb jetzt in ihrer Frage Teilnahme und Schrecken aus:

„Ach der Arme, wie geht es ihm?“ Sie wollte sich noch weiter erkundigen: ... wird er bald sterben; aber sie stockte bei diesem Wort und richtete an Dubowa, während sie sich an sie klammerte, leere Fragen ohne Sinn und Nutzen ...

„Anatoli Pawlowitsch meinte, daß es mit ihm heute Nacht oder morgen früh zu Ende gehen wird,“ entgegnete diese dumpf.

Karssawina sprach scheu und leise: „Wollen wir zu ihm gehen? ... Oder vielleicht nicht? Ich weiß garnicht ...“

Und vor allen tauchte plötzlich die gleiche Frage auf: — — — Darf man dorthin gehen und zusehen, wie dieser Semionow stirbt, und würde es gut oder schlecht sein ...

Jurii zuckte unentschlossen die Achseln, sagte aber schließlich: „Gehen wir wirklich hin. Wir werden vielleicht nicht eintreten dürfen, aber möglicherweise ...“

„Vielleicht will er sogar jemanden sehen.“ Dubowa willigte erleichtert ein und auch Karssawina sagte entschlossen: „So gehen wir.“