Und in dieser Stille war nur mit schrecklicher Deutlichkeit das verkrüppelte, pfeifende Atmen Semionows vernehmbar.
Die Tür öffnete sich, und trippelnde Greisenschritte klappten auf dem Boden.
Ein alter dicker Pope kam mit dem Küster, einem mageren und schwarzen Menschen; hinter ihnen ging leicht und ruhig Ssanin.
Der Pope grüßte höflich die Aerzte und verneigte sich dann, ebenso zuvorkommend vor den anderen. Sie antworteten ihm alle gleichzeitig, übertrieben den Gruß eilig und überhöflich; dann fielen sie sofort wieder in ihre Erstarrung zurück.
Ssanin setzte sich, ohne ein Wort, aufs Fensterbrett und sah neugierig auf Semionow und die Anwesenden; man merkte ihm deutlich den Wunsch an, das, was er und sie empfanden und dachten bis ins Einzelne zu begreifen.
Der Sterbende atmete in gleicher Weise fort und bewegte sich nicht.
„Kein Bewußtsein?“ fragte weich der Geistliche, ohne sich aber mit seiner Frage an einen von ihnen direkt zu wenden.
„Ja,“ beeilte sich Nowikow zu antworten.
Der Pope ließ irgend einen unbestimmten Laut vernehmen; wendete sich aber, als er nichts weiter hörte, um, stellte das Kreuz zurecht, legte die Stola an und begann mit dünnem, süßlichem Tenor und vertieftem Ausdruck herunter zu lesen, was zum Tode eines Menschen orthodoxen Glaubens gehört. Vom Küster her ertönten heisere, unangenehme Baßlaute, und diese beiden Stimmen, die nicht zusammen paßten, gingen fortgesetzt auseinander und verklangen in ihrer Dissonanz seltsam und traurig an der hohen Decke.
Als der scharfe, laute Klagegesang erscholl, sahen alle mit unwillkürlichem Schrecken auf das Gesicht des Sterbenden. Nowikow, der näher als die anderen stand, fiel es auf, daß Semionows Lider ein wenig erzitterten und daß sich auch seine blicklosen Augen kaum merklich nach der Seite wandten, woher die Stimmen ertönten. Aber für die anderen blieb Semionow genau so sonderbar unbeweglich, wie vorher.