Karssawina weinte gleich bei dem ersten Laut still und klagend vor sich hin, ohne die Tränen, die über ihr junges schönes Gesicht rollten, abzutrocknen. Alle blickten hoch, und auch Dubowa begann zu weinen; selbst die Männer fühlten Tränen in ihre Augen steigen und bissen die Zähne zusammen, um sie zurückzuhalten. Immer, wenn sich der Gesang der Priester verstärkte, weinten die Mädchen heftiger. Dann runzelte Ssanin jedesmal bei dem Gedanken die Stirn, wie unerträglich dieser Gesang, der auch auf gesunde Menschen, die dem Tode fernstanden, schwer einwirkte, erst für Semionow sein müßte, wenn er ihn höre.

„Machen Sie es doch leiser ab,“ sagte er zornig zum Pfarrer. Dieser neigte erst liebenswürdig das Ohr, aber sobald er die Worte verstanden hatte, zog er die Brauen zusammen und sang noch lauter. Der Küster blickte sich strenge nach Ssanin um und auch die anderen sahen sich erschrocken an, als ob er eine Unanständigkeit gesagt hätte.

Ssanin winkte die stummen Vorwürfe mit einer verdrießlichen Handbewegung ab und schwieg still.

Als die Zeremonie beendet war und der Pfarrer das Kreuz wieder in die Stola gewickelt hatte, wurde es noch schwüler. Semionow lag unbeweglich wie vorher.

Und plötzlich begann sich in ihnen allen ein entsetzliches Gefühl, das keiner überwinden konnte, zu regen: Sie wünschten, daß dieser ganze Vorgang endlich zu Ende gehe und Semionow schneller sterbe. Trotzdem sich dieses Gefühl immer deutlicher in ihnen festsetzte, gaben sie sich voll Angst und Scham alle Mühe, es zu unterdrücken und zu verbergen; sie wagten es nicht, sich einander anzublicken.

„Ginge es doch nur schneller,“ meinte endlich Ssanin leise, „welche schwere Geschichte.“

„Tja,“ rief Iwanow.

Beide sprachen still zusammen; es war ganz klar, daß Semionow nichts mehr hören konnte. Und doch schauten sich die Andern entrüstet nach ihnen um.

Schawrow wollte etwas bemerken, aber gerade in diesem Augenblick brach ein neuer, unsagbar kläglicher Laut hervor, der alle krankhaft erzittern ließ.

Fffft — seufzte Semionow und begann dann, als wenn er endlich das gefunden hätte, was allein ihm nötig war, dieses langgezogene Stöhnen ohne Einhalt zu wiederholen; nur manchmal wurde es durch ein heiseres, beschwertes Atmen unterbrochen.