Jurii dachte plötzlich, daß falls er ewig leben sollte ...

Vor ihm breitete sich ein unendlicher grauer Streifen aus, der sich qualvoll und ziellos im Leeren aufrollte, als wenn er von einer Walze auf die andere herübergezogen würde. Jede Vorstellung von Farben und Lauten, von Tiefe und Fülle der Erlebnisse verwischte sich und verblaßte wieder, zerrann zu einer grauen Masse, die ohne Bett und Strömung dahinfloß. Das war nicht mehr Leben, das war wieder Tod. Jurii wurde geradezu schreckhaft ängstlich.

„Ja, gewiß!“ murmelte er.

„Auf Sie scheint der Tod einen großen Eindruck gemacht zu haben,“ bemerkte Iwanow.

„An wem könnte er so vorübergehen?“ fragte Jurii statt einer Antwort.

Iwanow nickte unbestimmt mit dem Kopf und fing an, Pjotr Iliitsch von den letzten Augenblicken Semionows zu erzählen.

Im Zimmer wurde es allmählich unerträglich schwül. Jurii beobachtete mechanisch, wie der Wodka, im Schein der Lampe glänzend, in die dünnen, roten Lippen Iwanows hineinfloß und fühlte, wie alles um ihn langsam zu drehen und zu zerrinnen begann. „Aaaaah —,“ sang es in seinen Ohren mit dünner, geheimnisvoll trauriger Stimme.

„Nein, der Tod ist eine furchtbare Sache,“ wiederholte er, ohne es selbst zu bemerken, als müßte er dieser geheimnisvollen Stimme eine Antwort geben.

„Sie sind zu nervös,“ meinte Iwanow mit noch lässigerer Herablassung zu ihm.

„Und können Sie das nicht empfinden?“