„Welche haben Sie denn?“ fragte müde Jurii. — — — Ah, ich darf nicht mehr trinken, dachte er traurig und strich mit seiner Hand über die mit kaltem Schweiß bedeckte Stirn.

Vielleicht hatte Ssanin irgend etwas darauf geantwortet, vielleicht auch nicht. — Jurii hörte nichts mehr, ihm schwindelte der Kopf und für einen Augenblick wurde ihm übel.

„... Ich glaube, daß ein Gott existiert. Aber dieser Glaube ist in mir ganz abgesondert. Hat seine eigene Ecke,“ sprach Ssanin weiter. „Doch ... mag er existieren oder nicht, ich kenne ihn nicht und weiß nicht, was er von mir will. Woher sollte ich es auch wissen; selbst bei dem heißesten Glauben. Gott ist Gott und kein Mensch, — — — mit keinem menschlichen Maß kann er gemessen werden. In seiner Schöpfung, soweit wir es beobachten können, gibt es alles: Gut und Böse, Leben und Tod, Schönheit und Häßlichkeit ... Alles. Und da jede Bestimmtheit oder Sinn in ihr verschwindet und sich ein Chaos offenbart, so ist sein Sinn folglich kein menschlicher, — — sein Gut und Böse ist kein menschliches Gut und Böse. Unsere Definition Gottes wird immer eine Götzenanbeterei sein und wir werden unseren Fetisch stets mit dem Gesicht und den Kleidern ausstatten, die den lokalen klimatischen Verhältnissen entsprechen. Unsinn.“

„So,“ Iwanow räusperte sich stark, „richtig, sehr richtig!“

„Wofür denn aber eigentlich leben?“ fragte Jurii und stieß sein Weinglas mit Widerwillen von sich.

„Und wozu sollte man sterben? ...“

„Ich weiß nur eines,“ antwortete Ssanin. „Ich lebe und will, daß das Leben für mich ohne Unannehmlichkeiten sei. Deshalb muß man zunächst die natürlichen Begierden befriedigen können. Sie sind alles. Sterben im Menschen die Wünsche, so stirbt auch sein Leben, und wenn er in sich die Wünsche ertötet, so tötet er sich selbst.“

„Aber die Wünsche könnten doch schlecht sein ...“

„Das ist schon möglich.“

„Und was denn?“