„Ach, mein Gott, mein Gott,“ wiederholte sie immer wieder und zerfloß wie ein Kind in Tränen. In der Dunkelheit kam sie Jurii so klein und so bemitleidenswert, ihre Tränen so hilflos vor, daß er von unerträglichem Mitleid fortgerissen wurde. Blaß und kopflos lief er ins Haus, stieß schmerzhaft mit der Schläfe gegen die Tür und holte ihr ein Glas Wasser, das er sich zur Hälfte über die Hände goß.

„Ljalitschka, höre doch auf! Wie darf man sich so — —. Nun was ist denn mit dir. Vielleicht ist Anatoli Pawlowitsch gar nicht so ... besser als die anderen. Ljalja,“ stammelte der Bruder verzweifelt.

Ljaljas Körper bebte unter dem Schluchzen und ihre Zähne schlugen gegen die Wand des Glases.

„Was ist denn hier los?“ fragte aufgeregt das Zimmermädchen, in die Tür stürzend. „Gnädiges Fräulein, was ist denn mit Ihnen?“ Ljalja stand auf, stützte sich auf das Geländer und ging, ohne im Weinen nachzulassen, schwankend und schleppend auf ihr Zimmer.

„Liebes gnädiges Fräulein, was ist denn nur los? Soll ich vielleicht den gnädigen Herrn holen? Jurii Nikolajewitsch! Sagen Sie doch ...“

Aus seinem Zimmer kam mit festen, abgemessenen Schritten Nikolai Jegorowitsch und blieb in der Tür stehen; er starrte verwundert auf die weinende Ljalja.

„Was gibt’s hier?“ fragte er.

„Aber nichts, — ganz unwichtige Geschichten,“ antwortete gezwungen lächelnd Jurii. „Wir sprachen über Rjäsanzew — Kleinigkeiten.“

Nikolai Jegorowitsch blickte ihn spähend an; ihm schien plötzlich ein Gedanke zu kommen. Mit einem Mal drückte sich auf dem Gesicht des greisen Gentleman äußerste Entrüstung aus.

„Hol’s der Teufel“; er zuckte kurz mit den Achseln und machte linksum kehrt; abgerissen schritt er hinaus.