Sowie Rjäsanzew sie erblickte, unterbrach er jäh seine Rede, ging auf sie zu und streckte ihr beide Arme entgegen, als wollte er sie umarmen. Aber doch so, daß diese Bewegung nur ihr allein bemerkbar und verständlich war.

Ljalja sah von unten herauf in sein Gesicht; ihre Lippen erzitterten. Schweigend und mit Ueberwindung machte sie ihre Hand von ihm los, schritt durch den Saal und öffnete die Glastür zum Balkon. Rjäsanzew sah ihr mit ruhiger Verwunderung nach.

„Meine Ludmilla Nikolajewna geruhen zu zürnen.“ Er sprach im Tone scherzhafter Wichtigkeit zu Nikolai Jegorowitsch.

Dieser lachte laut auf: „Sehr gut, ... so laufen Sie, sich zu versöhnen.“

„Ja, es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben,“ seufzte er komisch und ging hinter Ljalja zum Balkon hinaus.

Es regnete noch immer, und das feine Plätschern des Wassers lag unaufhörlich in der Luft. Doch in der Höhe zerflossen die Nebel schon locker und licht.

Mit der Wange an das kalte, nasse Holz des Pfahls gelehnt, stand Ljalja ihren Kopf dem Regen entgegen gestreckt, so daß ihr Haar sofort durchnäßt wurde.

„Mein Prinzeßlein zürnt ... Ljalitschka!“ sagte Rjäsanzew und zog sie an sich; leise drückte er seine Lippen auf ihr feuchtes, duftendes Haar.

Unter dieser Berührung, die Ljalja so bekannt und glückverheißend war, löste sich alles in ihrer Brust auf. Bevor sie noch Zeit hatte, zu einem Entschluß zu kommen, wand sich ihr Arm, wie von selbst um den festen Nacken Rjäsanzews und inmitten von langen, betäubenden Küssen sagte Ljalja: „Wie ich dir furchtbar böse bin, du abscheulicher Kerl!“

Mit einmal schien ihr selbst ihre ganze Stimmung unerklärlich. Es war doch nichts Schreckliches, Schweres, nichts Unverbesserliches vorgefallen. Am Ende, was ging es denn sie an ... Nur lieben und von diesem großen starken Mann geliebt zu werden.