Später beim Essen wurde es ihr peinlich, Jurii anzusehen, der ratlos auf sie blickte; bei der nächsten Gelegenheit flüsterte sie ihm bittend zu:

„Widerwärtig bin ich!“ Jurii lächelte gezwungen. Im Innern war er froh, daß alles so gut abgelaufen war. Aber gleichzeitig war er doch bemüht, in sich eine verächtliche Empfindung über die philiströse Duldsamkeit und die kleinbürgerliche Glückseligkeit Ljaljas aufkommen zu lassen. Er zog sich auf sein Zimmer zurück und blieb fast bis zum Abend allein. Erst als es in der Dämmerung draußen etwas freundlicher wurde und der Himmel sich aufheiterte, griff er zur Büchse und ging auf die Jagd. Mit schnellen Schritten ging er los, bis er wieder das Feld vor sich liegen sah, auf dem der alte Bauer ihn und Rjäsanzew am Tage zuvor empfangen hatte. Jurii zwang sich, nicht über das Vorgefallene nachzudenken.

Jetzt nach dem Regen begann der ganze Sumpf aufzuleben. Eine Menge neuer und mannigfaltiger Laute wurde vernehmbar und bald hier bald dort geriet das Gras in Bewegung, wie getrieben von dem in ihm hausenden, geheimnisvollen Leben. Fröhlich überboten sich die Frösche in allen Stimmen; ein ferner Vogel ließ anspruchslose, knarrende Töne hören, die einem Trrrr Trrrr ähnlich waren, die Enten krächzten nahe und doch unsichtbar, geheimnisvoll im nassen Schilf, zogen aber nicht zum Schuß hoch.

Jurii hatte garnicht einmal den Wunsch, zum Schuß zu kommen. Gedankenlos warf er die Flinte über die Schulter und ging wieder nach Hause, während er angeregt auf die krystallenen Laute horchte und in sich die tiefen Abendfarben, die bald dunkel, bald wieder hell, um ihn aufleuchteten, einsog.

— — — Schön ist es, dachte er, alles ist schön — — — nur der Mensch ist widerwärtig. — — —

Von ferne erkannte er das runde Feuer im Gemüsegarten und die hellerleuchteten Gestalten des alten Kusma und Ssanins, die dicht am Feuer saßen.

— — — Wohnt denn der Ssanin hier? dachte er verwundert und neugierig.

Kusma erzählte irgendetwas und lachte dabei, die beiden Hände fortgesetzt hin- und herwerfend. Auch Ssanin lächelte. Das Feuer, jetzt noch rosig und nicht so grellrot wie in der Nacht, brannte wie eine Kerze; über ihm bedeckte sich der Himmel friedlich und weich mit Sternen. Es roch nach frischer Erde und nach taubesprengtem Gras.

Aus irgendeinem Grunde fürchtete Jurii, daß man ihn bemerken würde und es machte ihn traurig, daß er nicht einfach zu ihnen hingehen konnte, weil zwischen diesen Menschen und ihm etwas Unbegreifliches stand, gleichsam etwas, das garnicht existierte, und leer aber doch unüberwindlich vor ihm lag, wie ein luftleerer Raum.

In diesem Augenblick fühlte er sich völlig vereinsamt. Die große Welt in ihren abendlichen Farben, mit den Feuerchen, mit Menschen und Lauten, voller Luft und Leuchten, wie sie sich vor ihm wiegte, war doch weit von ihm getrennt; — — — er war klein und trübe wie ein dunkles Zimmer, in dem etwas weint und trauert. Und das Gefühl einsamer Wehmut bemächtigte sich seiner mit solcher Stärke, daß ihm, als er durch das Gemüsefeld schritt, die vielen hundert Wassermelonen, die in der Dämmerung gelblichgrau schimmerten, wie menschliche Schädel erschienen, welche weit über ein wüstes Feld zerstreut liegen.