XV
Der Sommer entfaltete sich überfüllt von Licht und Wärme; es schien, daß ein goldener Schleier zwischen dem lichten, blauen Himmel und der glutmüden Erde bebe und sich in tausend Falten breche. In stumpfer Ermattung standen die Bäume, von den heißen Dünsten erschlafft mit gesenkten Blättern; ihre kurzen, durchsichtigen Schatten lagen hilflos in dem staubigen, matten Gras.
In den Zimmern aber war es kühl. Die Lichtreflexe vom Garten schimmerten grünlich auf den Decken und die Gardinen schwankten seltsam lebendig, während alles sonst in gepreßter Ruhe erstarrte, an den Fenstern.
Den weißen Kittel geöffnet, schritt Sarudin langsam von einer Zimmerecke in die andere. Mit besonderer von ihm mühsam herausgearbeiteter Nonchalance rauchte er eine Zigarette, wobei seine großen, weißen Zähne deutlich aus dem Munde hervortraten. Tanarow, ebenfalls schweißdurchnäßt, lag in breiten Reithosen auf dem Divan und sah mit kleinen, schwarzen Aeuglein voll verstohlener Besorgnis auf ihn. Er brauchte fünfzig Rubel erbarmungslos notwendig. Schon zweimal hatte er Sarudin darum gebeten, aber da er nicht wagte, sie zum drittenmal zu fordern, wartete er in Aengsten, bis sich Sarudin selbst daran erinnern würde.
Dieser wußte davon, doch im Laufe des letzten Monats hatte er selbst 700 Rubel verspielt und er ärgerte sich über alles, was mit Schuldenmachen zusammenhing.
— — — Er ist mir ohnedies noch 250 Rubel schuldig, dachte er, und ohne auf Tanarow zu blicken, wurde er bei dem Gedanken über die unvermuteten Ausgaben immer verbissener.
— — — Eigentümlich, wir sind zwar in den besten Beziehungen zu einander, aber er sollte sich doch wirklich schämen. Müßte sich doch wenigstens entschuldigen, daß er mir noch soviel schuldig ist, — — — nein, ich gebe ihm nichts, fügte er mit böser Freude in Gedanken hinzu.