Sarudin erschrak bei dem plötzlichen Anruf und fürchtete, wie stets, daß jemand etwas von seiner Erzählung über Lyda Ssanina gehört hätte.
Aber Iwanow schrie über den Zaun von der Nebengasse her; er war nicht einmal zu sehen.
„Zu Hause, zu Hause,“ rief Sarudin durch das Fenster zurück.
Im Vorzimmer ertönten Stimmen und Lachen, als wenn dort eine ganze Volksmenge hineingeströmt wäre.
Iwanow, Nowikow, ein Rittmeister Malinowski, zwei andere Offiziere und Ssanin traten herein.
„Hurra,“ brüllte Malinowski, sich schief über die Schwelle schiebend, während über sein dunkelrotes Gesicht mit zitternden, aufgespannten Backen und einem buschigen Schnurrbart, der wie zwei Roggengarben in die Luft starrte, ein grelles Blinken glitt.
„Guten Morgen, Kinder.“
— — — Na, zum Teufel, dachte Sarudin ärgerlich, da geht wieder ein 25-Rubelschein zum Teufel. Aber doch befürchtete er noch mehr, daß irgend jemand denken könnte, er wäre nicht der freigebigste, reichste und kameradschaftlichste Kerl im Regiment. Deshalb rief er mit breitem Lächeln: „Woher kommen Sie in so großer Gesellschaft? ... He, Tscheriepanow, schleife Wodka her und was du sonst noch hast. Laufe in das Kasino und lasse sofort einen Kasten Bier heranschleppen. Wollen Sie Bier, Herrschaften. Es ist doch heiß.“
Als erst Wodka und Bier kamen, wurde der Lärm noch stärker. Man lachte, brüllte in ungezügelter Lustigkeit; alle tranken und lärmten durcheinander. Nur Nowikow blieb trübe gestimmt und sein stets weichliches und bequemes Gesicht war unheilvoll durchleuchtet. Erst gestern hatte er das erfahren, was für ihn bisher unbekannt geblieben war, trotzdem die ganze Stadt bereits über die Affäre tuschelte. Das Gefühl, unerträglich verletzt und in seiner Eifersucht gedemütigt zu sein, hatte ihn im ersten Augenblick betäubt. Es ist nicht möglich, es ist Unsinn, Klatsch ... sein Hirn weigerte sich, das Bild Lydas, in die er so rein und mit Ehrfurcht verliebt war, in widerwärtig schmutzige Nähe zu Sarudin, den er für unendlich niedriger stehend und dümmer hielt als sich, kommen zu lassen.
Doch dann brach tief aus seiner Seele wilde, tierische Eifersucht hervor und begrub alles. Es gab einen Augenblick bitterer Verzweiflung und dann des fürchterlichsten, fast elementaren Hasses gegen Lyda und vor allem gegen Sarudin. Diese Empörung war seiner weichen schlaffen Seele so ungewohnt, daß er für sie nach irgend einem Ausweg suchen mußte, wenn sie ihn nicht ganz zerreiben sollte. Die ganze Nacht hindurch schwankte er auf der krankhaften Grenze zwischen quälerischer Selbstpeinigung und dem vagen Gedanken an Selbstmord. Gegen Morgen war er wie erstarrt und nur das sonderbare, trübe Verlangen, Sarudin zu sehen, vibrierte noch in seinen Empfindungen.