„Na, das wirst du schon merken!“ Die Antwort von Deutz’ überstürzte sich fast vor Begeisterung. „Das ist ein Kopf, sage ich dir. Da kommt’s einem vor, als ob man selber alles wüßte ...“
„Aber wozu ... braucht denn Viktor Sergejewitsch Tolstoi vorzunehmen, wenn seine eigenen Ansichten über Frauen schon völlig feststehen ...“ sagte Nowikow, nicht laut, ohne daß er dabei die Augen vom Glase abwendete.
„Woraus schließen Sie das? ...“ fragte Sarudin, der instinktiv den Angriff spürte, aber ihn noch nicht ganz verstand, vorsichtig.
Nowikow schwieg. Alles riß ihn dazu hin, Sarudin anzubrüllen, ihm ins Gesicht zu schlagen, in dieses prächtige, selbstgefällige Gesicht, ihn zu Boden zu werfen und ihn in einem wilden Ausbruch seines Zornes, der endlich in die Freiheit strömen kann, mit den Füßen zu zerstampfen.
Aber kein Wort kam auf seine Zunge. Unter dem klaren Bewußtsein, daß er garnicht das spräche, worauf es ankomme, litt er nur noch mehr. Er wurde fast zum Wahnsinn getrieben; er lächelte verzerrt; er sagte: „Es genügt, Sie nur anzusehen ... um zu diesem Schluß zu kommen.“
Der eigentümlich tragische Ton seiner Stimme zerschnitt im Augenblick den allgemeinen Lärm und plötzlich verstummte alles, wie vor einem Morde. Iwanow erriet zuerst, um was es sich handelte.
Sarudins Gesicht hatte sich unter den letzten Worten kaum merklich verändert, doch sofort beherrschte er sich wieder, als ob er ein scheues Pferd bestiege, dessen Nervosität er kenne ...
„Nu, ... Herrschaften, Herrschaften, was soll denn hier vorgehen,“ rief Iwanow.
„Laß sie, laß sie sich ruhig prügeln,“ fiel ihm Ssanin lächelnd ins Wort.
„Mir scheint es garnicht, sondern es ist so,“ fuhr Nowikow anstelle Sarudins fort, noch immer nicht den Kopf vom Glase hebend und ohne seinen Tonfall zu ändern.