„Aber wozu gleich die Tragik!“ Sarudin runzelte unmutig die Stirne. Er folgte mit plötzlich erwachter Begierde unbewußt der Wölbung ihrer ausgemeißelten Arme und schlanken Schultern.

Ihre verzweifelt hilflose Geste brachte ihm das Bewußtsein seiner eigenen Ueberlegenheit wieder zurück.

Es war, als ständen beide auf einer Wage. Senkte sich der eine, so hob sich sofort der andere. Mit besonderem Vergnügen fühlte Sarudin heraus, daß dieses Mädchen, das er innerlich für höherstehend wie sich selbst hielt, und vor dem er in Augenblicken wollüstiger Zärtlichkeiten nicht seine Scheu überwinden konnte, nach seinen Begriffen jetzt eine erbärmliche und erniedrigte Rolle spielte. Diese Ueberlegung war ihm angenehm und stimmte ihn weicher. Sarudin ergriff zärtlich ihre gesenkten, willenlosen Hände und zog sie leise an sich heran; er erregte sich schon jetzt und atmete heißer.

„Nun genug doch, es ist ja nichts Schreckliches passiert.“

„Glauben Sie?“ fragte Lyda. Sie faßte ihn ganz eigentümlich ins Auge; aus ihrer Ironie holte sie plötzlich neue Kraft.

„Na, gewiß doch,“ antwortete Sarudin und suchte sie mit einer erregenden und schamlosen Berührung zu umarmen. Aber von Lyda strömte ihm eisige Kühle, unter der seine Hände unwillkürlich erschlafften, entgegen.

„Nun genug doch! Warum bist du böse geworden, mein Kätzchen,“ sagte er mit zärtlichem Vorwurf.

Mit einer bösen Bewegung riß sich Lyda aus seinen Armen los.

Sarudin fühlte sich physisch darüber verletzt, daß das Aufschnellen seiner Leidenschaft unnütz verloren gegangen war.

— — — weiß es der Teufel, dachte er. Da fange mal einer mit diesen Weibern an. Laut fragte er sie: „Was hast du denn eigentlich?“ Auf seine Backenknochen traten rote Flecken.