Als hätte diese Frage in Lyda einen letzten Schleier zerrissen, schlug sie ihre Hände vors Gesicht und begann ganz unerwartet zu weinen. Sie schluchzte geradeso wie die Weiber im Dorfe schluchzen. Mit den Händen das Gesicht bedeckt, den ganzen Körper vornübergeneigt und die Laute gedehnt ausziehend. Die langen Haarsträhnen hingen längs des nassen Gesichts; sie wurde häßlich. Lächelnd und doch ängstlich, daß sie dieses Lächeln kränken könnte, versuchte er ihr die Hände vom Gesichte loszureißen, aber Lyda drückte sie hartnäckig dagegen und weinte ohne Unterbrechung.
„Ach du lieber Gott,“ stieß Sarudin ärgerlich aus. Wieder kam ihm der Wunsch, ihr Grobheiten zu sagen, sie zu beschimpfen, an den Haaren zu zerren.
„Ja, was hast du denn eigentlich. Nun, du bist eben mit mir gelaufen, was schadet das schon. Und mit einemmal. Was ist denn Großes passiert? Hör doch endlich damit auf!“
Er ergriff sie am Arm.
Der Kopf Lydas mit dem nassen Gesicht und dem aufgelösten Haar erschütterte unter dem Stoß, und mit einemmal schwieg sie still, die Hände gesenkt, ganz zusammengekrümmt; in kindischer Furcht blickte sie zu ihm herauf. Der wahnsinnige Gedanke, daß von jetzt ab jeder das Recht hätte, sie zu schlagen, zuckte durch ihr Hirn. Doch Sarudin erschlaffte selbst wieder und sprach einschmeichelnd und unsicher:
„Aber Lydotschka, genug doch, du bist ja selbst schuld. Wozu diese Szenen. Nun, du hast gewiß viel verloren. Aber dafür gab es doch auch viel Glück. Niemals werden wir vergessen, — — diese — —“
Lyda weinte wieder.
„Aber so höre doch endlich auf!“ Er ging im Zimmer auf und ab und zupfte den Schnurrbart über den nervös zitternden Lippen.
Es war still, und hinter dem Fenster schwankten leise, wahrscheinlich von einem Vogel bewegt, dünne, grüne Zweige.
Sarudin beherrschte sich mit Mühe, kam wieder auf Lyda zu und versuchte nochmals, sie vorsichtig zu umarmen. Doch sie riß sich augenblicklich mit scharfem Ruck von ihm los und stieß ihn mit dem Ellenbogen so gegen das Kinn, daß seine Zähne deutlich aneinanderknackten.