„Das habe ich wirklich nicht erwartet,“ stammelte er.
„Nicht erwartet? ... So. Und mit welchem Recht wagten Sie es, das nicht zu erwarten?“
„Lyda ... ich habe doch eigentlich nichts ...“ Sarudin fürchtete seine eigenen Worte schon im Voraus, sah aber ein, daß es gesagt werden mußte.
Lyda verstand ihn auch so. Wilde Verzweiflung durchbrach ihr schönes Gesicht. Ohnmächtig ließ sie die Hände fallen und setzte sich aufs Bett.
„Gott, was soll ich denn nur machen,“ sagte sie mit seltsamer Nachdenklichkeit vor sich hin. „Soll ich ins Wasser gehen ... oder wie, was? ...“
„Na, ... warum gleich das!“
„Und wissen Sie, Viktor Sergejewitsch ... Sie hätten wahrscheinlich garnichts dagegen, wenn ich es wirklich täte!“ In ihren Augen und den Zuckungen der feinen Lippen lag etwas so Trauriges und Furchtbares, daß Sarudin unwillkürlich die Augen abwendete.
Lyda stand auf. Ekelndes Grauen packte sie plötzlich, daß sie nur einen Augenblick an ihn als ihren Retter denken konnte; daran, daß sie mit ihm für immer leben sollte. Und nun wünschte sie, nur noch einmal mit der Hand abzuwinken, um ihm mit dieser einen Bewegung ihre Verachtung auszudrücken und alle Demütigungen zu rächen; doch sie fühlte, daß sie, sobald sie zu sprechen begänne, auch anfangen müsse, zu weinen und sich dann nur noch mehr erniedrigen würde. Eine Regung des Stolzes, der letzte Ueberrest der schönen und starken Lyda, hielt sie davon zurück. Statt dessen sagte sie nur, zusammengepreßt, aber klar und deutlich:
„Rindvieh!“
Dann stürzte sie zur Tür, daß die Spitzenmanschetten der Aermel von der Klinke erfaßt und zerrissen wurden.