„Was tue ich nur,“ dachte sie mit Entsetzen. Ich darf doch nicht weinen; ich muß ja jetzt das Ganze als Scherz hinstellen, sonst errät er alles.

„Nun leidest du,“ meinte Ssanin, und streichelte sie weich über die Schultern; es war ihm angenehm, so zärtlich sprechen zu können.

Lyda sah unter dem Rand des Hutes herauf, ganz kindlich in sein Gesicht; plötzlich wurde er still.

„Ich weiß ja alles. Die ganze Geschichte kenne ich schon lange.“

Trotzdem Lyda wußte, daß ihre Beziehungen zu Sarudin den Leuten bekannt waren, riß sie sich mit ihrem ganzen biegsamen Körper von Ssanin los, als wenn er sie über das Gesicht geschlagen hätte. Ihre weitgeöffneten, im Augenblick ausgetrockneten Augen, hefteten sich mit dem prachtvollen Entsetzen eines reizenden, gehetzten Tieres auf den Bruder.

„Nun, was tust du so, als wenn ich dir auf den Schwanz getreten hätte.“ Ssanin lächelte gutmütig, griff sie mit Vergnügen an die runden, weichen Schultern, die unter seinen Händen ängstlich zitterten, und hob sie wieder auf die Hecke. Unterwürfig nahm Lyda die frühere, gebrochene Stellung ein.

„Was hat dich denn so zerschmettert? Daß ich alles weiß? ... Als du dich Sarudin hingabst, glaubtest du da so schlecht zu handeln, daß du dich jetzt vor dem offenen Eingeständnis fürchtest? Das begreife ich überhaupt nicht. Und, daß Sarudin dich nicht heiraten wollte. Nun, danke Gott dafür! Jetzt weißt du es ja selbst ... und du hast es auch früher gewußt, daß dieses Kerlchen ein ganz schmutziges und niederträchtiges Kerlchen ist, obgleich er hübsch ist und — — sich sicher zur Liebe eignet. Ja, das war das einzige Schöne in ihm, die Schönheit, na und die hast du wohl zur Genüge ausgekostet.“

— — — er meine und nicht ich ... oder auch ich? ... Ja, ... Gott, Gott, ... schwirrte es in dem heißen Kopfe Lydas.

„Ja, daß du schwanger bist ...“

Lyda schloß die Augen und zog den Kopf tief in die Schultern ein.