„Sie ist jetzt unglücklich ... Sie ist jetzt nicht in der Stimmung, zu lieben ... Und ob sie dich liebt oder nicht ... wer kann es wissen ... Ich glaube nur, wenn du jetzt zu ihr hingingst, und — — du dann für sie zu dem zweiten Menschen in der Welt wirst, der sie nicht für das momentane, zufällige Glück steinigt, sondern — — nun, so kann sie ... aber man kann nicht wissen ...“
Nowikow blickte nachdenklich vor sich hin. In ihm mischten sich Trübsal und Freude; beide bildeten in seiner Seele ein klares, wehmütiges Glück, das einem absterbenden Sommerabend ähnlich war.
„Gehen wir zu ihr! Was auch sein mag, es wird ihr leichter sein, unter all den tierischen Fratzen, ein paar menschliche Gesichter um sich zu sehen ... Du bist zur Genüge dumm, mein Freund. Aber selbst in deiner Dummheit besitzt du etwas, was andere nicht haben. Was soll man tun. Auf diese Dummheit hat die Welt lange genug ihr Glück und ihre Hoffnungen gebaut. Gehen wir!“
Nowikow lächelte ihm schüchtern zu: „Ich will gehen. Aber wird ihr das auch angenehm sein?“
„Daran brauchst du nicht zu denken.“ Ssanin legte ihm beide Hände auf die Schultern. „Glaubst du, daß du richtig handelst, dann wird schon alles von selber werden.“
„Gut, so gehen wir.“ In der Tür blieb Nowikow noch einmal stehen und blickte Ssanin gerade in die Augen. Mit einer Kraft, die ihm selbst unbekannt war, sagte er:
„Weißt du; — — wenn es nur möglich ist, so werde ich sie glücklich machen. Natürlich, die Phrase ist banal. Aber ich kann nicht anders ausdrücken, was ich fühle.“
„Das tut nichts, Bruder. Wirklich, ich verstehe dich so.“