Wie es Jahrhunderte lang schwieg.
deklamierte Jurii mit nachdenklichem Gesicht und unwillkürlichen Pathos.
Aber gleich ertappte er sich bei seiner knabenhaften Begeisterung und fiel automatisch wieder in die teilnahmslose Stimmung zurück.
— — — und übrigens, was hat das alles zu bedeuten ... Alles ganz gleich. — — — Politik, Wissenschaft, das ist Alles sehr gut und schön, aber nur aus der Ferne, im Ideal. — — — Im Allgemeinen und im Leben eines einzelnen Menschen ist es gradso gut ein Handwerk wie jedes andere. Kampf, titanische Krafteinsetzung, ja, — — — im gegenwärtigen Leben ist es doch unmöglich. — — — Gut ich leide aufrichtig, ich kämpfe, ich suche mich zu überwinden, — — aber was bleibt mir denn zu guter Letzt. Der endgültige Abschluß des Kampfes liegt außerhalb meines Lebens. Prometeus wollte den Menschen das Feuer bringen; er tat es auch wirklich. Das war sein Sieg! Wir aber, wir können nur Späne in das Feuer werfen, das wir nicht entfacht haben und das von uns ebensowenig einmal verlöscht werden wird.
Plötzlich stieg ihm der Gedanke auf, daß seine Schwäche nur daher käme, weil er kein Prometeus sei. Diese Erkenntnis war ihm unangenehm, und doch ergriff er sie mit krankhafter Selbstpeinigung.
— — — Was für ein Prometeus bin ich! Bei mir läuft alles sofort aufs persönliche Gebiet über; ich, ich ... für mich, mich ... Ich bin ebenso schwach und nichtig wie alle diese Leutchen, die ich von ganzem Herzen verachtete.
Die Parallele wirkte so niederschlagend auf ihn, daß er zusammenzuckte und eine Zeitlang stumpf vor sich hinstarrte, um nach einer Rechtfertigung für sich zu suchen.
— — — Nein, ich bin nicht wie die Andern, dachte er endlich mit Erleichterung ... Schon aus dem einfachen Grunde, weil ich mir hierüber Gedanken mache. Die Rjäsanzew, Nowikow, Ssanin, die kommen garnicht zum Nachdenken ... sie sind weit entfernt von tragischer Selbstkasteiung, wie die triumphierenden Schweine Zaratustras. Bei ihnen liegt das ganze Leben in ihrem eigenen, mikroskopisch kleinen Ich; sie sind es gerade, die auch mich mit ihrer Flachheit anstecken. Mit den Wölfen muß man heulen, das ist natürlich!
Jurii begann im Zimmer herumzulaufen, und wie es oft der Fall ist, änderten sich seine Gedanken mit dem Wechsel der Stellung.
— — — Nun gut, das ist so ... Aber ich habe noch mehr zu überlegen. Wie sind eigentlich meine Beziehungen zu Karssawina. Ob ich sie liebe oder nicht, das ist gleich ... Aber was kann daraus werden ... Wenn ich sie heiraten würde, oder einfach mit ihr für eine Zeit ein Verhältnis anfinge ... wäre das für mich wirklich ein Glück? Sie zu betrügen, ist ein Verbrechen, und — falls ich sie liebe ... nun gut, sie bekommt Kinder, — — — Jurii errötete plötzlich ohne Grund. — — — Das ist noch nichts Schlimmes, aber dennoch wird es mich binden, und für immer meiner Freiheit berauben ... Familienglück, Spießerfreuden, nein, das ist nichts für mich.