— — — Es kann einem auch leid um ihn tun ... Wie unglücklich und gut er ist, dachte sie mit wehmütiger Freude.
„Ich weiß alles, Lydia Petrowna,“ fuhr Nowikow fort, er fühlte, wie die Rührung über sein Tun und das Mitleid mit ihrer traurigen Gestalt in ihm wuchs. „Aber ich liebe Sie wie vorher. Vielleicht werden Sie auch mich einmal lieb gewinnen. Sagen Sie, wollen Sie meine Frau werden ...“ — — — ich brauche ihr nichts weiter zu erzählen; sie braucht nicht zu wissen, welch Opfer ich ihr bringe. — — —
Lyda schwieg. Es war so still, daß man das flinke Aufschlagen des Wassers hörte, das gegen das Gebüsch des Ufers plätscherte.
„Beide sind wir unglücklich,“ sagte plötzlich aus der Tiefe seiner Seele, für sich selbst unerwartet, Nowikow. „Aber vielleicht werden wir zu zweien das Leben leichter tragen können.“
Lyda erhob ihr Gesicht zu ihm:
„Ja, vielleicht ...“ antwortete sie einfach, aber ihre Augen sagten: — — — Gott sei mein Zeuge, daß ich eine gute Frau sein werde, ich werde dich immer lieben und alles mit dir fühlen.
Nowikow verstand diesen Blick; er ließ sich rasch und impulsiv neben ihr auf die Kniee nieder und begann ihre zitternde Hand zu küssen. Er zitterte selbst am ganzen Körper vor Erregung und plötzlicher froher Leidenschaft. Diese Erregung teilte sich Lyda so tief und leuchtend mit, daß das schmerzliche bange Gefühl der Scham mit einem Mal verschwunden war.
— — Nun, jetzt ist alles zu Ende, ich werde wieder glücklich sein, — — du, mein Lieber, mein Armer, dachte sie, glückliche Tränen weinend. Sie zog ihre Hand nicht zurück, sie beugte sich selbst auf die weichen Haare Nowikows, die ihr stets gefallen hatten, herab und küßte sie. Die Erinnerung an Sarudin huschte grell an ihr vorüber; erlosch aber sofort wieder.
Als Ssanin, der fand, daß nun Zeit genug für Erklärungen verflossen wäre, zu ihnen zurückkam, hielten sich Lyda und Nowikow bei den Händen und sprachen leise und vertrauensvoll miteinander. Nowikow sagte ihr, daß er niemals aufhören könne, sie zu lieben; Lyda ihm, daß sie ihn von nun an immer lieben werde. Es war die Wahrheit; denn Lyda verlangte nach Liebe und Glück, sie hoffte sie in ihm zu finden und liebte ihre Hoffnung.
Beide glaubten, niemals so glücklich gewesen zu sein. Als sie Ssanin erblickten, schwiegen sie still und schauten ihn mit verwirrten, freudigen und vertrauensvollen Augen an.