„Nun, mag sein. Verzeihen Sie bitte, daß ich Sie nicht richtig verstanden habe.“ Von Deutz zuckte mit nachsichtigem Lächeln seine schmalen Achseln; es sollte heißen, daß er Jurii für zurückgeschlagen halte, und daß alle Entgegnungen nichts anderes mehr sein würden, als eine verspätete Retirade.

Jurii begriff das und fühlte sich dadurch so furchtbar gekränkt, daß sich seine Kehle zuschnürte.

„Ich will gar nicht die ungeheure Bedeutung des Christentums leugnen.“

„Dann widersprechen Sie sich,“ verschluckte sich von Deutz mit neuem triumphierendem Entzücken. Es war ihm durchaus klar, daß Jurii unendlich dümmer wäre, als er und daß er augenscheinlich nicht annähernd das wußte, was in seinem Hirne so harmonisch aufgestapelt war.

„Das kommt Ihnen so vor, daß ich mir widerspreche. Aber tatsächlich gerade im Gegenteil, ... mein Gedanke ist ganz logisch. Ist nicht meine Schuld, wenn Sie ... mich nicht verstehen wollen,“ rief Jurii mit verletzender Schärfe, durch die er das Gefühl des Leidens in sich unterdrücken wollte. „Ich sagte vorher und das sage ich auch jetzt, ... das Christentum ist ein durch und durch wiedergekäuter Stoff, und von ihm, so wie er ist, hat man keine Ernährung zu erwarten.“

„Nun ja ... Aber, wollen Sie denn den wohltuenden Einfluß des Christentums leugnen. ... Das heißt, daß es einfach zur Grundlage wurde ...“ Auch von Deutz erhob seine Stimme, mit hilfloser Eile suchte er seine weiteren Schlüsse, die ihm bei dieser Wendung des Gesprächs zu entgleiten drohten, wieder einzufangen.

„Das leugne ich gar nicht!“

„Aber ich leugne es!“ mischte sich plötzlich Ssanin, der die ganze Zeit schweigend hinter ihnen herging, lächelnd ins Gespräch. Seine Stimme war leicht und ruhig und schnitt eigentümlich in den wirbelnden, ätzenden Ton des Streites ein.

Jurii schwieg. Er fühlte sich durch diese kühle Stimme und den offensichtlichen Spott, der aus ihr herausklang, verletzt; aber er fand kein Wort zur Entgegnung. Für ihn war es stets peinlich und unbequem, mit Ssanin zu streiten, — als wenn all die Worte, welche er gewöhnlich brauchte, bei Ssanin nicht am richtigen Platz waren. Dann fühlte er sich, als müßte er eine Mauer umstürzen, während seine Füße auf glattem Eis standen.

Von Deutz konnte nicht schweigen. In seiner Erregung über den unerwarteten Angriff stolperte er und klirrte schrill mit den Sporen; dazwischen schrie er mit sich überschlagender Stimme: „Aber warum denn das, wenn ich fragen darf?“