Woloschin bebte im Augenblick. Seine Stimme nahm einen anderen Klang an:
„Ja, allerdings ... Aber auch das wird schließlich langweilig. Unsere Damen aus Petersburg haben keinen Körper, verstehen Sie ... Das sind Nervenknäuel, und weiter nichts, während hier ...“
„Das ist schon wahr,“ gab Sarudin zu. Unmerklich wurde er aufgeheitert, behaglich drehte er seinen Schnurrbart.
„Ziehen Sie der elegantesten Hauptstädterin das Korsett vom Leibe und Sie sehen dort ... Halt, hier haben Sie’s ... Kennen Sie den neuesten Witz? ...“
„Welchen. Ich kenne ihn gewiß noch nicht.“ Sarudin beugte sich mit entflammtem Interesse vornüber.
„So ... er ist recht bezeichnend. Eine Pariser Kokotte ...“ und Woloschin erzählte ausführlich und kunstgerecht eine raffiniert schamlose Geschichte, in der gemeine Gier und magere Frauenbrüste zu einem so berückenden und benebelnden Bild ineinandergriffen, daß Sarudin nervös zu lachen und sich hin- und herzuwerfen begann, als wenn er am Spieße steckte.
„Ja, das Allerwichtigste bei den Weibern sind die Brüste. Eine Frau mit mangelhafter Büste existiert einfach nicht für mich,“ schloß Woloschin und klappte seine Augen, die sich mit einer weißen Hülle zu überziehen schienen, nach oben.
Sarudin kam Lydas Brust in Erinnerung, zart, hell, rosig, mit elastischen Wölbungen, die wie Trauben einer unbekannten herrlichen Frucht aussahen. Er erinnerte sich, wie sie stets danach lechzte, daß er ihre Brust küßte. Plötzlich wurde es ihm peinlich, mit Woloschin weiter darüber zu sprechen, gleichzeitig auch schmerzlich zumute, daß nunmehr alles vorbei war und nicht zurückkehren würde.
Doch überzeugt, daß dieses Gefühl eines Mannes und Offiziers unwürdig sei, erwiderte er gleich darauf mit unnatürlicher Uebertreibung:
„Jeder hat seinen Gott! Für mich ist an der Frau der Rücken, wissen Sie, so — seine Biegung das Wichtigste.“