„Ja,“ meinte nervös gedehnt Woloschin, „bei einigen Frauen, besonders bei sehr jungen ...“

Der Bursche, der die Lampe anstecken wollte, trampelte mit seinen plumpen Kommißstiefeln herein. Solange er sich am Tische zu schaffen machte, mit dem Zylinder klirrte und Streichhölzer anrieb, schwiegen Woloschin und Sarudin; bei dem aufflammenden Lampenlicht sah man nur ihre glänzenden Augen und die krankhaft aufzuckenden Zigarettenfeuer.

Nachdem er fortgegangen war, griffen sie sofort wieder dasselbe Thema auf; das Wort Weib hing nackt und schamlos, zu perversen, fast sinnlosen Formen ausgezogen, in der Luft. Die Renommiersucht des Männchens packte Sarudin. Das unerträgliche Verlangen, Woloschin zu überbieten, riß ihn fort; um sich zu rühmen, welch prachtvolles Frauenzimmer ihm gehört hatte, fing er an von Lyda zu sprechen und enthüllte mit jedem Wort die geheimen Quellen seiner Lust mehr und mehr. In völliger Nacktheit stand Lyda vor Woloschins Augen; in den süßesten Geheimnissen ihres Körpers und ihrer Leidenschaften entblößt, wie ein Vieh, das zum Markt getrieben und durch den Dreck geschleift wird. Die Gedanken dieser Männer krochen über sie dahin, beleckten sie, kneteten ihren Körper, ihre Triebe, verspotteten sie nach ihren augenblicklichen Gelüsten; stinkendes Gift troff auf dieses herrliche Mädchen, das nichts gewollt hatte, als Lust und Liebe zu verschenken. Sie liebten die Frauen nicht, dankten ihnen nicht für die gereichte Gunst; alles spornte sie an, sie zu demütigen und zu verletzen, ihnen den infamsten und unerträglichsten Schmerz zuzufügen.

Im Zimmer wurde es dumpf und raucherfüllt. Ihre verschwitzten Körper dünsteten schwer und ungesund aus, die Augen glitzten trüb, ihre Stimmen klangen abgebrochen, gedämpft, wie das Scharren wildgewordener Tiere. Hinter dem Fenster erhob sich auf leisen Sohlen die Mondnacht; aber die ganze Welt mit allen Farben, Tönen und Reichtümern war irgendwohin verschwunden, in der Erde versunken. Allein das nackte Weib blieb vor ihren Augen. Bald zwängten sich diese Bilder so gewaltsam in ihre Einbildung, daß es ihnen unumgänglich notwendig schien, diese Lyda zu sehen, die sie schon nicht mehr Lyda oder gar Lydia, sondern kurzweg Lydka nannten.

Sarudin ließ eine Droschke rufen, und sie fuhren nach einem gewissen Stadtviertel.

XXVII

Ein Brief, den Lydia Ssanina am nächsten Tage von Sarudin erhielt, kam Maria Iwanowna in die Hände, weil ihn das Stubenmädchen auf dem Küchentisch hatte liegen lassen. Unter undeutlichen ungeschickten Anspielungen, daß sich immer noch vieles ändern ließe, bat der Offizier darin um die Erlaubnis, sie zu sehen.