Und seltsam, — dieses Lächeln, an sich hübsch und sympathisch, mißfiel Lyda von Anfang an. Es kam ihr selbstgefällig vor, und es schien ihr so garnichts von Kampf und Leiden und Einsamkeit zu erzählen.

Lyda schwieg und wurde nachdenklich, und, die Augen abwendend, blätterte sie mechanisch in einem Buche.

Als das Mittagessen beendet war, streichelte die Mutter ihrem Sohne zart und sanft Haar und Stirne und fragte:

„Nun erzähle uns aber auch! Wie hast du dort gelebt, was hast du alles getan? ...“

„Was ich getan habe? ...“ Ssanin wiederholte es lächelnd. „Na, was schon? ... Aß, trank, schlief, arbeitete auch mitunter, manchmal tat ich auch garnichts, ... so ...“

Anfangs schien es ihm peinlich zu sein, von sich selbst zu sprechen, aber, als die Mutter sich sorgsam nach allem zu erkundigen begann, da kam er ins Erzählen und es machte den Eindruck, daß er gern erzähle. Und doch fühlte man heraus, daß es ihm im Grunde ganz gleichgültig war, wie sich die Andern zu seinen Reden stellten. Trotzdem er zärtlich und aufmerksam blieb, ließ sich in seinem Benehmen niemals die intime Nähe eines verwandten Menschen spüren, die von der ganzen Welt absondert, und man konnte eher glauben, daß all seine Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit von ihm so einfach und selbstverständlich ausgestrahlt wurde, wie das Licht einer Kerze. Für alle gleich!

Sie traten auf die Terrasse hinaus, die in den Garten führte, und setzten sich auf die Stufen nieder. Lyda machte es sich auf einer tieferen möglichst bequem, und lauschte ganz für sich und schweigend, dem, was der Bruder ihnen erzählte.

Ein unfaßbarer, kalter Strahl lief durch ihr Herz. Mit dem scharfen Instinkt des jungen Weibes empfand sie bereits, daß ihr Bruder nichts von ihren Phantasien in sich trug, und sie wurde dadurch unwillkürlich eingeschüchtert und befangen, wie einem Fremden gegenüber.

Es war schon Abend, und ein weicher Schatten fiel auf alles. Ssanin zündete sich eine Zigarette an; das leichte Aroma des Tabaks mischte sich mit dem duftigen, sommerlichen Hauch des Gartens.

Er begann davon zu reden, wie ihn das Leben hin- und hergeschleudert hatte, wie er bummelte, manchmal hungern mußte; von seiner Teilnahme am politischen Kampf und wie er sie wieder beiseite warf, als sie ihn zu langweilen anfing.