Maria Iwanowna richtete sich auf; sie verjüngte sich fast. In ihre Seele trat, als ob sie mit einer Karte geschickt eine Volte geschlagen hätte, eine vollständige Aenderung ein. So warm ihr Herz für Sarudin auch früher, als sie noch annahm, daß er Lyda heiraten werde, schlug, so kühl wurde es jetzt, als sich herausstellte, daß ein anderer Lydas Gatte würde.
Wie sie sich dem Ausgange zuwendete, blickte Ssanin auf ihr steinernes Profil, aus dem das eine Auge unfreundlich hervorbrach, und dachte sich: Ist das aber eine Idiotin ...
Dann faltete er das Papier und ging ihr nach. Er war sehr neugierig, wie sich die neue verwickelte Situation, in die diese Menschen geraten waren, wieder lösen würde.
Sarudin und Woloschin traten ihm mit übertriebener Liebenswürdigkeit, doch ohne die Freiheit, die der Offizier sonst in seinem Wesen ausdrückte, entgegen. Auf seinem Gesicht spiegelte sich augenscheinlich schüchterne Verlegenheit. Er begriff selbst, daß er nicht hätte kommen dürfen; er schämte sich und war verwirrt. Er konnte sich nicht vorstellen, wie er Lyda entgegentreten sollte. Aber doch würde er diese Regung unter keinen Umständen Woloschin verraten und etwa auf den gewohnten selbstsicheren Ton verzichtet haben. Trotzdem er diesen Woloschin zuzeiten geradezu haßte, lief er doch wie gefesselt, ohnmächtig, seine wahre Seele zur Geltung zu bringen, hinter ihm her.
„Meine gnädigste Maria Iwanowna, gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen guten Freund Pawl Lwowitsch Woloschin vorstelle.“ Bei diesen Worten lächelte er mit einem unfaßbar kniffligen Zug um Mund und Augenwinkeln Woloschin zu.
Woloschin verneigte sich, während er Sarudin das gleiche Lächeln, aber bemerkbarer, fast frech, zurückgab.
„Sehr angenehm,“ erwiderte kühl Maria Iwanowna.
Verborgene Unfreundlichkeit glitt aus ihren Blicken auf Sarudin hinab; der vorsichtig auf der Lauer liegende Offizier bemerkte es sofort.
Im Augenblick war sein letzter Rest von Sicherheit verschwunden, und sein Besuch verlor endgültig den scherzhaften Charakter. Jetzt kam er ihm selbst einfach sinnlos und unpassend vor.
... Eh, ich hätte lieber doch nicht kommen sollen, dachte er. Zum ersten Mal kam ihm hier nachdrücklich zum Bewußtsein, woran er in der animierten Gesellschaft Woloschins immer vergaß: Gleich muß ja Lyda eintreten. Dieselbe Lyda, die mit ihm in intimstem Verkehr gestanden hat, die von ihm geschwängert wurde, die Mutter seines eigenen künftigen Kindes, das doch auf jeden Fall einmal zur Welt kommen muß. Was wird er ihr denn sagen? Wie wird er sie anblicken? ...