... nun gut, dachte sie, was geht es mich an. Ist er da, gut, mag er es sein. Ich liebte ihn früher, jetzt sind wir auseinander; niemand hat deswegen ein Recht, mich zu verachten ... Jäh drehte sie sich um und ging ins Haus. Sie trug ihr Haar nicht in einer koketten Frisur, sondern in einfachem Doppelzopf über den Nacken hängend, und sie zog auch keine moderne Toilette an, sondern blieb in dem einfachen Hauskleid, das sie gerade trug.

Als sie mit gemachter Ruhe über die Schwelle schritt, warf sie ihrem Bruder ein seltsames Lächeln zu und sprach in besonders mädchenhaftem Tone:

„Hier bin ich! Wo wollen Sie denn hin, Viktor Sergejewitsch? ... Bitte, legen Sie doch Ihre Mütze aus der Hand.“

Ssanin schwieg und sah mit neugierigem Entzücken die Schwester an ... Was ist mit ihr, dachte er sich.

Eine unüberwindliche Kraft, drohend und doch frauenhaft lieblich, war ins Zimmer getreten. Wie eine Tierbändigerin im Käfig wütender Raubtiere stand Lyda unter den Männern. Und sogleich wurden sie weich und gefügig.

„Sehen Sie, Lydia Petrowna ...“ stammelte verwirrt Sarudin. Als er zu sprechen begann, huschte über Lydas Gesicht ein lieblicher, hilfloser Ausdruck; sie schaute rasch auf; plötzlich erfüllte sie ein unerträglicher Schmerz. In ihr bewegte sich krankhafte Zärtlichkeit und das Verlangen, auf etwas zu hoffen. Doch im selben Augenblick schlug das Verlangen in den Wunsch um, Sarudin zu beweisen, wie viel er verloren und wie stark und rein sie sich trotz des Leides und der Erniedrigung, die er ihr zufügte, erhalten hatte.

„Ich will garnichts sehen,“ sagte sie mit etwas theatralischem Ausdruck und schloß richtig ihre schönen Augen.

Mit Woloschin geschah etwas Sonderbares. Die weiche Wärme, die dem kaum eingehüllten, weiblichen Körper entströmte, zerkochte sein ganzes Wesen. Seine spitze Zunge beleckte die trocken gewordenen Lippen, seine Aeuglein wurden klein, und der ganze Körper zerfloß unter dem weichen Anzug in kraftloser, physischer Entzückung.

„Aber bitte, machen Sie mich doch bekannt,“ sagte Lyda und blickte über die Schultern auf Sarudin hin.

„Woloschin, Pawl Lwowitsch,“ murmelte dieser, von dem Gedanken, daß dieses prächtige Mädchen seine Geliebte gewesen sein sollte, vollständig hingerissen.