Lyda warf sich in den Schaukelstuhl unter der Linde und steckte ihre kleinen Füße, die in durchbrochenen Strümpfen steckten, lässig aus. Zwei Wesen arbeiteten in ihr. Das eine quälte sich vor Scham und Kränkung; das andere nahm bewußt aufregende Posen an, eine immer schöner und elastischer als die andere.
„Nun, Pawl Lwowitsch, welchen Eindruck macht unser Nest auf sie?“
Woloschin spreizte und rieb seine Finger.
„Nun, so ungefähr wie ihn vielleicht ein Mensch hat, der plötzlich im wildesten Walde eine Blume vor sich sieht.“
Und nun entspann sich zwischen ihnen eine leichtfertige durch und durch verlogene Unterhaltung, in der jedes ausgesprochene Wort eine Lüge war und Wahrheit nur das, was in ihr verschwiegen blieb. Ssanin beteiligte sich nicht am Gespräch; dafür beobachtete er gerade jene stummen, eigentlichen Reden, die sich ohne Worte in den Gesichtszügen, den Bewegungen der Hände und Füße, im Klingen und Zittern der Stimmen offenbarten.
Lyda litt. Woloschin sog unbefriedigt ihre Schönheit und ihren Duft in sich ein. Sarudin haßte ihn, Ssanin, Lyda, die ganze Welt; er wünschte fortzugehen und blieb dennoch sitzen; er wollte irgend etwas Grobes begehen und rauchte doch nur eine Zigarette nach der andern. Währenddessen lastete das unbändige Verlangen, daß Lyda sich vor allen als seine Geliebte erweisen müsse, wie ein Alpdruck auf seinem Hirn.
„Also gefällt es Ihnen wirklich bei uns? Bedauern Sie nicht, daß Sie Petersburg verlassen haben?“
„Mais au contraire!“ erwiderte Woloschin mit einer koketten Handbewegung und starrte Lydas Brust an.
„Aber ohne Phrasen!“ befahl Lyda liebenswürdig. Immer noch kämpften in ihr zwei Wesen. Das eine trieb ihr die Röte ins Gesicht, das andere streckte noch gewaltiger und schamloser ihre Brust dem entblößenden Blick entgegen.
... Du glaubst, ich wäre sehr unglücklich, ... ich wäre vollständig zerbrochen. So sieh denn das Gegenteil! Ich brauche mich meiner Handlungen nicht zu schämen! Und wenn ich tausendmal mehr und Schlechteres getan hätte, ich brauchte mich nicht zu schämen ... sprach sie innerlich zu Sarudin.