„Ah, Lydia Petrowna!“ Sarudin mischte sich trotz seiner gehässigen Laune ins Gespräch. „Das brauchen doch wahrhaftig keine Phrasen zu sein!“
„Ich glaube, Sie sagten etwas?“ meinte Lyda kühl; doch sofort wandte sie sich wieder in verändertem Ton zu Woloschin. „Erzählen Sie doch bitte von dem Leben in Petersburg ... Bei uns lebt man ja nicht, wir vegetieren nur!“
Sarudin fühlte, daß Woloschin kaum merklich nach seiner Richtung hin lächelte; ihm kam der Gedanke, jener glaube nicht mehr, daß Lyda seine Geliebte gewesen wäre.
„Unser Leben? O, dieses rühmlichst bekannte ‚Petersburger Leben‘!“ ...
Woloschin schwatzte leicht und schnell; er machte den Eindruck eines kleinen, närrischen Affen, der in seiner leeren, unverständlichen Sprache etwas vor sich hinplappert.
... Wer kann wissen! dachte er und musterte mit geheimer Hoffnung Lydas Gesicht, Brust und ihre breiten Schenkel.
„Ich kann Ihnen auf Ehre versichern, Lydia Petrowna, daß unser Leben recht arm und langweilig ist ... Bis zum heutigen Tage glaubte ich übrigens, jedes Leben müsse langweilig sein, gleichviel, wo der Mensch auch wohnen mag — in der Hauptstadt oder auf dem Lande ...“
„Wirklich?“ Lyda schloß halb die Augen.
„Ja, was das Leben geben kann, — das ist — eine schöne Frau! Und die Frauen der Großstädte — ach, wenn Sie sie nur sehen könnten! — Wissen Sie, ich bin überzeugt, wenn etwas die Welt zu retten vermag, so ist es die Schönheit!“ Den letzten Satz fügte Woloschin ganz unerwartet an. Er hielt solche Seitensprünge für eindrucksvoll und geistreich.
Auf seinem Gesicht lagerte sich ein sinnlos erhitzter Ausdruck; mit zitternder Stimme kehrte er immer wieder zu dem einen Thema zurück: das Weib. Er sprach von ihm so, als wenn er es im geheimen unaufhörlich entkleidete und vergewaltigte. Sarudin, der diese Nuance herausspürte, wurde plötzlich eifersüchtig. Sein Gesicht wurde rot und blaß, er konnte sich nicht auf einem Platz halten und trat auffallend nervös in der Allee von einem Fleck zum andern.