„Unsere Frauen sind sich so gleich, abgeplattet und verzerrt! Etwas zu finden, das fähig wäre, Ehrfurcht vor der Schönheit einzuflößen ... wissen Sie, nicht ein geteiltes Gefühl, sondern reine, aufrichtige Ehrfurcht, wie man sie vor einer Bildsäule empfindet, das ist in einer Großstadt nicht möglich. Dazu muß man in die Tiefe der Provinz hinuntersteigen, wo das Leben noch jungfräulichen Boden darstellt; der ist allein imstande, prächtige Blumen hervorzubringen!“
Ssanin strich sich unwillkürlich den Nacken und legte ein Bein über das andere.
„Und wozu sollten sie hier aufblühen, wenn es niemanden gibt, der sie pflücken könnte?“ erwiderte Lyda.
... Aha! dachte Ssanin interessiert. Das also hat sie im Sinn! ...
Ihm war es äußerst amüsant, dieses Spiel der Instinkte und Begierden, das sich klar und doch nicht greifbar vor seinen Augen entwickelte, zu verfolgen.
„Wie meinen Sie das?“
„Jawohl, ich meine es so. Wer sollte unsere anspruchslosen Blumen pflücken? Wo sind die Menschen, die wir zu unseren Helden machen könnten!“ ... Die Worte kamen Lyda aus dem Herzen unerwartet aufrichtig und rührend traurig.
„Sie sind erbarmungslos zu uns!“ erwiderte Sarudin unwillkürlich auf die verborgene Nuance in ihrer Stimme.
„Lydia Petrowna hat recht,“ stimmte Woloschin begeistert bei, besann sich aber gleich und sah sich scheu nach Sarudin um.
Lydia lachte, und ihre in Rache und Scham brennenden Blicke bohrten sich in das Gesicht Sarudins. Woloschin schwatzte inzwischen lustig weiter, und seine Worte schüttelten sich, sprangen und stoben auseinander, wie ein Schwarm Gott weiß woher kommender närrischer Kobolde.