Er setzte auseinander, daß eine Frau mit schönem Körper auf der Straße nackt herumlaufen könne, ohne unsaubere Lüste zu entfesseln; man merkte ihm an, wie sehr er wünschte, daß gerade Lyda diese Frau wäre und daß sie sich für ihn entkleiden würde.
Lyda lachte laut, fiel ihm immer wieder ins Wort, doch durch ihr Gelächter brachen stets neue Tränen der Kränkung und des Schmerzes.
Es war heiß; die Sonne stand hoch am Himmel und ließ senkrechte Strahlen auf den Garten niederfallen; leise bewegten sich die Blätter, als wären sie von heißen Wünschen bewegt, die nur ihre eigene Schwerfälligkeit zähmen konnte. Unter ihnen saß ein junges, schwangeres Weib, das ihre verletzte Leidenschaft rächen will; sie fühlt, daß es ihr mißlingt und leidet in ohnmächtiger Scham. Ein kraftloses, feiges Männchen quält sich unter den Zuckungen mühsam verborgener Wollustkrämpfe, ein anderes zerbricht unter seiner eifersüchtigen Bosheit.
Ssanin stand abseits unter dem weichen, grünen Lindenschatten und schaute alle ruhig an.
Sarudin hielt es schließlich nicht mehr aus. Er drängte zum Aufbruch. Ohne selbst den Freund klar zu verstehen, empfand er alles — in Lydas Lachen, in ihrem Blick, im Erzittern ihrer Finger — als heimliche Ohrfeigen. Mitten in der Erbitterung gegen sie, in der Eifersucht auf Woloschin, in den physischen Qualen, die ihm das Gefühl eines unersetzlichen Verlustes verursachten, überfiel ihn eine vollständige Erschöpfung.
„Schon fort?“ fragte Lyda.
Woloschin lächelte ergeben, kniff süß die Lippen zusammen und beleckte sie mit seiner dünnen Zunge.
„Was soll man tun? ... Viktor Sergejewitsch scheint sich nicht ganz wohl zu fühlen,“ erwiderte er spöttisch. Er fühlte sich als Sieger.
Man verabschiedete sich. Als Sarudin sich über Lydas Hand beugte, flüsterte er ihr plötzlich zu:
„Lebe wohl!“