XXX
In einem einzigen Augenblick hatte sich das Aussehen von Sarudins Leben auf das Furchtbarste verändert. Wie leicht und verständlich es früher war, so unerträglich wurde es jetzt. Es schien, daß man eine helle, lächelnde Maske abgestreift hätte; nun kam die wütende Fratze eines Raubtieres darunter zum Vorschein.
Als Tanarow ihn in einer Droschke nach Hause brachte, suchte er vor sich selbst Schmerz und Schwäche zu übertreiben, um nur nicht die Augen öffnen zu müssen. Er machte sich glauben, daß die Schande, die ihn von allen Seiten mit gierigen Augen anstarrte und nur auf diesen Blick wartete, um johlend, Grimassen schneidend und Finger zeigend, hinter ihm herzulaufen, so noch weiter aufgehalten werden könnte.
Aus allem, aus dem mageren Rücken des blaugekleideten Droschkenkutschers, aus jedem Straßenpassanten, aus den Fenstern, hinter welchen ihm schadenfrohe Gesichter aufzutauchen schienen, und selbst in Tanarows Hand, die ihn an der Seite hielt, spürte er schweigende aber aufrichtige Verachtung heraus.
Und dieses Gefühl war so überwältigend, so herzzerreißend schmerzlich, daß es Sarudin zeitweise nicht mehr erträglich schien.
Sein Gehirn sträubte sich dagegen, das Geschehene hinzunehmen; es wollte hoffen, daß all das nicht gewesen wäre oder daß hier doch noch ein Irrtum vorliege. Manchmal meinte Sarudin, daß er irgend einen nebensächlichen Punkt, der aber die ganze Situation vollständig verändern würde, nicht richtig auffasse; im Grunde wäre seine Lage gar nicht so entsetzlich und auswegslos. Die einfache Tatsache jedoch blieb klar und offen vor ihm bestehen; immer enger und enger hüllte die Finsternis der Verzweiflung seine Seele ein.
Sarudin hatte die Empfindung, in schmerzlicher, unbequemer Stellung am Boden festgebunden zu sein; in der widerwärtigsten Weise füllten sich seine Hände nach und nach mit Blut und Staub. Dabei fand er es gleichzeitig erstaunlich, daß er überhaupt noch imstande war, Einzelheiten herauszufinden. Eigentlich hätte sich sein Körper sofort auflösen müssen, nachdem alles, was den schönen, eleganten, fröhlich-sicheren Sarudin ausmachte, spurlos verflogen war; nun aber lebte er, ohnmächtig und besudelt, noch immer weiter.