Ueber dem Garten funkelten lautlos glänzende Sterne. Der Setter legte ihm die elegante Schnauze auf die Kniee und schaute ihn von unten her mit dunklen unverständlichen Augen, die doch etwas zu sprechen schienen, an. Dem Soldaten wurde es bange und traurig, als ahnte er einen unabwendbaren Schicksalsschlag voraus.

„— — — Eh, das Leben, das Leben,“ dachte er erbittert; eintönig begann er über sein Dorf nachzudenken.

Sarudin drückte sich krampfhaft an die Rückenlehne des Divans und zerfiel völlig in dem Gram, ohne zu spüren, daß ihm das warmgewordene nasse Handtuch aufs Gesicht herabgerutscht war.

— — — Nun ist alles zu Ende, wiederholte er sich mit innerem Schluchzen ... Was ist zu Ende? ... Alles, das ganze Leben. Alles, das Leben ist verloren. Weshalb ... weil ich geschändet bin ... weil ich geschlagen bin wie ein Hund ... Mit der Faust ins Gesicht ... und ich kann ja nicht mehr im Regiment bleiben — —

Ungemein deutlich sah sich Sarudin inmitten der Allee auf allen Vieren hocken, ohnmächtig sinnlose Drohungen, die doch nur in einem elenden Winseln verklangen, ausstoßen. Immer von neuem und von neuem erlebte er diesen furchtbaren Augenblick, immer heller hob er sich vor seinen Augen ab. Alle Einzelheiten kamen ihm wie von einem elektrischen Reflektor überstrahlt, ins Bewußtsein. Aus irgend einem Grunde waren gerade diese ungereimten Drohungen und das weiße Kleid Karssawinas, das in demselben Augenblick an ihm vorbeihuschte, die qualvollsten Bilder seines Gedächtnisses.

— — — Wer hat mich denn aufgehoben, dachte er ... Dabei strengte er sich an, nichts zu denken; geflissentlich suchte er sein Hirn zu verwirren ...

Tanarow oder etwa der Judenbengel, den sie bei sich hatten. Tanarow ... darum handelt es sich ja garnicht ... Um was denn? ... Nur darum, daß das ganze Leben verdorben ist und daß ich nicht mehr im Regiment bleiben kann. Und ein Duell ... Er wird sich ja ganz gewiß nicht schlagen wollen ... Also ... ich werde nicht im Regiment bleiben können.

Sarudin erinnerte sich, wie einmal ein Ehrengericht, an dem er selbst teilgenommen hatte, zwei alte, verheiratete Offiziere aus dem Offizierkorps stieß, weil sie sich zu schlagen weigerten.

— — — Man wird es mit mir ebenso machen. Höflich, ohne mir die Hände zu reichen, dieselben Leute, ... und niemand wird mehr darauf stolz sein, wenn ich ihn auf dem Boulevard unter dem Arm nehme. Niemand wird mich mehr beneiden, ... meine Manieren kopieren ... Aber das ist noch das wenigste ... Doch die Schande, die Schande, das ist die Hauptsache! ... Und weshalb Schande ... Geschlagen ... Ja, ich wurde doch auch im Kadettenkorps geschlagen ... Damals, als mich der dicke Schwarz durchprügelte und mir einen Zahn ausgeschlagen hatte, da wurde doch auch nichts weiter draus ... Später versöhnten wir uns miteinander und blieben bis zum Examen die besten Freunde ... Und kein Mensch verachtete mich ... Und warum denn jetzt alles ganz anders ... Ist es denn nicht ganz gleich ... Auch damals floß Blut ... Ebenso fiel ich um. Warum? ...

Auf diese auswegslosen gramvollen Fragen konnte Sarudin keine Antwort finden. Er fühlte nur, daß er bis über den Kopf in einen bodenlosen Sumpf geraten war, daß er unaufhaltsam tiefer sinke, ohne nach dem geringsten Stützpunkt greifen zu können. Wenn er das Duell angenommen und mich mitten ins Gesicht getroffen hätte ... Das wäre doch noch viel schmerzhafter und widerwärtiger als jetzt gewesen. Aber dann hätte mich niemand verachtet, nein, alle mich bemitleidet. Folglich besteht zwischen der Kugel ... und der ... Faust ... Ja, was für ein Unterschied ... was, warum? ...