Die großen Städte mit ihrem eiligen Lärm und dem hastenden Leben waren ihm zum Ekel geworden. Rings um ihn war Sonne und Freiheit und die Zukunft bekümmerte ihn nicht, weil er bereit war, alles vom Leben hinzunehmen, was es ihm bieten konnte.
Ssanin kniff die Augen zusammen und dehnte mit kräftigem Behagen seine gesunden Muskeln; dehnte und streckte sie. Es wehte eine stille, weiche Kühle durch den ganzen Garten; er schien tief und sanft aufzuseufzen. Die Spatzen zwitscherten von irgendwo, zugleich nah und fern und der gefleckte Foxterrier Mill lauschte, die rote Zunge heraushängend und das eine Ohr aufgerichtet, nachlässig aus dem dichten, hohen Grase hervor. Ueber seinem Kopfe rauschten leise die Blätter und ihre runden Schatten bewegten sich lautlos auf dem glatten Sande des Weges.
Maria Iwanowna verdroß die Ruhe ihres Sohnes. Sie liebte ihn ebenso wie ihre anderen Kinder. Doch eben deshalb kochte es in ihr vor Erregung; — sie wünschte, seine eigensinnige Kälte anzupacken und zu verletzen; sie wollte ihn zwingen, ihren Worten und ihrer Auffassung vom Leben Wert beizulegen. Alle Augenblicke ihres langen Daseins durchwühlte sie wie eine Ameise, die sich im Grase herumgräbt, um den zertretenen Bau ihrer häuslichen Wohlfahrt wieder aufzurichten.
Dieses langweilige, eintönige Gebäude, einer Kaserne und einem Krankenhaus ähnlich, bestand aus winzigen Ziegelsteinen, die ihr jedoch, dem talentlosen Baumeister, als der Schmuck des Lebens erschienen. In Wirklichkeit beengten sie nur Maria Iwanowna, verdrossen und ängstigten sie; stets wurde sie von ihnen in eine bekümmerte Trübsal versetzt. Aber trotzdem glaubte sie, daß kein Mensch ein anderes Leben führen könne.
„Nun, wie also, soll es etwa so weitergehen? ...“ Sie tat, als ob sie angestrengt in die Schüssel mit dem Eingemachten blicke.
„Wie ... so ... weiter?“ ... fragte der Sohn und nieste mehrmals.
Maria Iwanowna war überzeugt, daß auch dieses Niesen nur in der Absicht geschah, sie zu verletzen. Und obgleich sie offensichtlich unrecht hatte, fühlte sie sich dadurch gekränkt und wurde noch mißmutiger.
„Es haust sich doch ganz gut bei euch,“ meinte Ssanin träumerisch.
„Nicht schlecht,“ gab Maria Iwanowna reserviert zur Antwort, da sie es für notwendig hielt, böse zu sein. Aber doch war es ihr angenehm, daß ihr Sohn Haus und Garten gelobt hatte, mit denen sie wie mit nahen, lieben Wesen verwachsen war.
Ssanin blickte zu ihr auf und erwiderte nachdenklich: