Jurii drehte unschlüssig sein Bärtchen.
„Für mich persönlich, — das sage ich ganz offen, — ist das alles eine ungelöste Frage. Ich weiß selbst nicht, wie ich an Ssanins Stelle handeln würde. Aufs Duell gehen, gewiß, das ist eine Dummheit, aber sich mit den Fäusten verprügeln, das ist natürlich auch nicht schön.“
„Aber was soll ein Mensch tun, der dazu gezwungen wird?“
Jurii zuckte traurig die Schultern. Alle schwiegen.
„Nein, wer zu bedauern ist, das ist Ssoloveitschik,“ bemerkte Rjäsanzew nach einer Pause; doch sein Gesicht, das selbstgefällig und lustig blieb, paßte nicht zu seinen Worten.
Allen fiel mit einem Male ein, daß bisher noch keiner von ihnen auch nur mit einem Worte nach Ssoloveitschik gefragt hatte; sie empfanden es jetzt um so stärker als peinliche Nachlässigkeit.
„Wissen Sie, wo der sich aufgehängt hat ... Hinter der Scheune, neben der Hundehütte. Er ließ den Hund von der Kette los und hängte sich auf.“ Rjäsanzew erzählte es in aller Ruhe; Karssawina und Jurii klang im selben Moment eine dünne Stimme in den Ohren: Sultan ... still ...
„Und versteht ihr ... er hat sogar einen Zettel hinterlassen,“ fuhr Rjäsanzew fort, ohne den vergnügten Glanz in den Augen verbergen zu können. „Ich habe ihn mir sogar abgeschrieben. Es ist doch sozusagen ein document humain.“ Aus seiner Seitentasche zog er ein Notizbuch heraus.
„— — — Wozu soll ich leben, wenn ich selbst nicht weiß, wie man leben muß. Solche Menschen wie ich können der Menschheit kein Glück bringen.“ Rjäsanzew las es vor und verstummte plötzlich, ganz unerwartet, es wurde eigentümlich still.
Im Zimmer war es, als ob ein blasser und trauriger Schatten hindurchschliche. Karssawinas Augen füllten sich mit schweren Tränen, Ljalja errötete, wie wenn sie jeden Augenblick losweinen wollte, und Jurii trat mit krankhaftem Lächeln ans Fenster.