„Gehen wir hinaus,“ raunte ihm Karssawina zu; sie flüsterte es, aber es klang fast wie ein Seufzer.
Sie gingen gravitätisch, mit Frieden in der Seele, als ob sie die leise singenden und laut lesenden Stimmen, Seufzer und das Flimmern der Lichter mit sich forttragen wollten, auf die Terrasse hinaus. Sie gingen nebeneinander längs der Einfriedung und traten dann durch die alte Pforte auf den Bergabhang. Hier war niemand; die alte weiße Mauer mit dem Türmchen, an dem der Putz herunterhing, trennte sie von all den Menschen.
Unter ihren Füßen kräuselten sich längs des Abhangs die Wipfel der Eichen, und weit unten erglänzte eben und glatt wie geschliffenes Glas der Fluß. Die grünen Felder und Wiesen dehnten sich hinter dem dunklen Horizont weit in die Ferne hinein.
Schweigend schritten sie bis an den Rand des Abhanges und blieben unschlüssig, was sie anfangen sollten, stehen. Sie fürchteten sich vor etwas und wagten es nicht. Es schien, daß sie niemals die Kraft finden würden, es zu sagen und zu tun. Doch Karssawina hob den Kopf, und es kam dann ganz unvermutet und einfach, daß ihre Lippen Juriis Lippen trafen. Sie wurde leichenblaß, schrak auf und erstarrte dann. Jurii umarmte sie schweigend; er fühlte zum ersten Mal ihren warmen, biegsamen Körper in seinen Armen.
Um sie wurde es still. Ihnen schien die ganze Welt in dieser feierlichen, gespannten Stille zu ersterben.
In ihren Ohren gellte etwas; Jurii kam es vor, daß irgendwo eine unsichtbare, unhörbare Glocke gebieterisch ihre Begegnungsstunde schlug.
Plötzlich riß sich Karssawina los, lächelte ihm noch einmal zu und lief fort. „Die Tante wird mich suchen, warten Sie eine Weile, ich komme wieder ...“
Jurii konnte sich später niemals erinnern, ob sie ihm diese Worte mit einer klingenden fröhlichen Stimme, die im dunklen Walde widerhallte, zurief oder ob ihm der warme Abendwind nur ein abgebrochenes, gleitendes Flüstern zutrug.
Er setzte sich aufs Gras und fuhr mit der Hand durch die Haare.
... Wie töricht und wundervoll schön das doch alles ist, dachte er mit seligem Lächeln. Er schloß die Augen, zuckte die Achseln und warf in diesem Augenblick alle seine früheren Gedanken, Zweifel und Leiden von sich.