Es wurde Jurii schwer, über irgend etwas nachzusinnen, als könne er bei dem Klang seines triumphierenden Denkens, die eigenen Gedanken nicht hören. Er saß lange, ohne sich zu rühren, er spürte, wie sich in seinem Körper Elastizität und Kraft ansammelte, als bereite er sich zu etwas vor, dessen man nicht bewußt werden dürfe. Immer noch fühlte er den ersten Druck des jungen, noch vom dünnen Stoff verhüllten Körpers und der halbgeöffneten, frischen Lippen. Von Zeit zu Zeit sagte er sich mit Schrecken: Aber gleich muß sie ja kommen.

Sein Herz erzitterte, dann starb es leise ab. Aber um so mehr spannte sich jeder Nerv in ihm, sein Körper wurde frisch und drängend.

So saß er, nur mit der einen Erwartung vollgesogen am Abhange und lauschte, ohne es zu wissen, dem fernen Wiehern der Pferde, dem Schreien der Gänse hinter dem Fluß und den tausenden verschwimmenden Lauten des Waldes und des Abends, die wie Saiten hoch über der Erde bebten.

Als er endlich ungleichmäßig rasche Schritte und das Rauschen eines Kleides hörte, wußte er, ohne sich umzuwenden, daß sie es war. Sein ganzer Körper glühte und zitterte, und doch schien er von dem entscheidenden Augenblick geängstigt, jede Fähigkeit, sich zu bewegen, verloren zu haben. Plötzlich wandte er sich scharf um, sicher, gerade das Richtige zu tun, schloß sie in die Arme und trug sie mit unbekannter Kraft und Zuversichtlichkeit über das Gras hinunter.

„Wir werden hinfallen,“ flüsterte sie; Glück und Scham erstickten sie fast.

Wieder preßte Jurii ihren Körper in seinen Armen zusammen; bald kam sie ihm groß und üppig wie eine Frau, bald winzig und zerbrechlich wie ein kleines Mädchen vor. Durch das Kleid fühlte seine Hand ihre Beine; er erschrak, als ihm die Berührung in sein Bewußtsein trat.

Unten zwischen den Bäumen war es dunkel; nur von oben fiel blasses Dämmerlicht über den Rand des Abhangs, der den hellen Himmel abschnitt. Jurii legte das Mädchen auf das Gras nieder und setzte sich neben sie. Bei dem matten Licht fand er ihre heißen, weichen Lippen und zehrte mit verlangenden, zähen Küssen, die ihren drängenden Körper wie mit weißglühendem Eisen durchbrannten, an ihnen.

Es war ein Augenblick völligen Wahnsinns, in dem nur noch eine übermächtige tierische Kraft in ihnen gebot. Karssawina widerstrebte nicht und zitterte nur, als Juriis Hand schüchtern und frech, wie es noch niemals zuvor geschehen war, ihre Röcke hochschob.

„Du liebst mich? ... Wirklich?“ fragte sie ihn mit abgerissener Stimme. Das Flüstern ihrer in der Finsternis unsichtbaren Lippen war seltsam wie die leichten, geheimnisvollen Laute des Waldes.

Aber plötzlich fragte sich Jurii mit Entsetzen: Was tue ich denn hier? ... Eisige Klarheit durchströmte das flammende Gehirn, alles wurde mit einem Mal kalt und leer, wurde blaß und hell wie ein Wintertag, in dem es kein Leben und keine Kraft mehr gibt.