— — — Wir Menschen sind ganz ebenso, dachte er. Wir fliegen geradeso aufs Feuer los, auf jede glänzende Idee, zerschlagen uns an ihr, und sterben in Leiden. Wir glauben, daß diese Idee ein Ausdruck des Weltwillens sei und sie ist doch nur ein Brennen unseres Gehirns.
„Nun trinken wir aus!“ rief ihm Ssanin freundlich zu und reichte die Flasche herüber.
„Schön,“ sagte Jurii melancholisch und dachte auch sofort, daß das Trinken vielleicht das einzige sei, was ihm noch übrig bleibe. Sie stießen an und stürzten das Glas herunter. Der Wodka schien Jurii widerwärtig wie heißes, bitteres Gift. Mit eklem Zittern am ganzen Körper griff er zu den Speisen. Aber auch sie bewahrten lange einen abstoßenden Geschmack und wollten nicht durch die Kehle rutschen.
— — — Nein, ich muß um jeden Preis von hier fort, sagte er sich. Aber wohin denn? ... Es ist doch überall dieselbe Geschichte. Sich selbst kann man nicht entrinnen. Wenn der Mensch über sein Leben hinauswächst, so wird es ihn nirgends und in keiner Form befriedigen. Ob in diesem Nest oder in Petersburg; das ist alles gleich.
„Meiner Meinung nach ist der Mensch an sich ... nichts!“ schrie Schawrow laut.
Jurii sah sein plattes Gesicht mit den Brillengläsern und den langweiligen Augen und dachte, daß ein solcher Mensch in der Tat schon an sich ein Nichts sei.
„Das Individuum ist eine Null, nur Persönlichkeiten, die aus der Masse hervorgehen und mit ihr nicht die Fühlung verlieren, also, die sich der Menge nicht entgegenstellen, wie es die bourgeoisen Helden zu tun belieben, ich sage ihnen, nur die besitzen eine wirkliche Kraft, — wie?“
„Aber worin soll denn diese Kraft liegen,“ entgegnete Iwanow wütend, indem er sich gewichtig mit beiden Ellenbogen der gekreuzten Arme auf den Tisch stemmte ... „Im Kampfe mit der bestehenden Ordnung? ... Meinetwegen ... Aber im Kampf für ihr eigenes Glück, was hilft ihnen da die Masse? — — —“
„Aha, Sie sind ja ein ... Uebermensch ... Sie brauchen irgend ein besonderes Glück ... Ein eigenes ... Aber wir Menschen der Menge glauben, daß wir gerade im Kampfe für das allgemeine Glück auch unser Glück finden werden. Verstehen Sie, der Triumph einer Idee, das ist Glück ...“
„Und wenn die Idee Fehler besitzt? ...“