„Jetzt redest du schon ganz und gar dummes Zeug,“ rief Nowikow rot werdend wie sein rotes Hemd und in seine guten, ruhigen Augen stiegen Tränen der naivsten und aufrichtigsten Verlegenheit.
„Warum denn dummes Zeug, wenn du über Lyda die ganze Welt vergißt. Von Kopf bis zu den Füßen steht auf dir der eine Wunsch geschrieben, sie hinzunehmen. Und dann sagst du dummes Zeug.“ ...
Nowikow zuckte ganz eigentümlich mit der Achsel und ging hastig die Allee auf und ab. Selbst wenn nicht grade Lydas Bruder davon gesprochen hätte, wäre er wohl in Verlegenheit geraten, aber es schien ihm ganz besonders eigentümlich, diese Worte, deren Sinn er garnicht einmal richtig verstehen mochte, nun von Ssanin zu hören.
„Weißt du was,“ murmelte er endlich vor sich hin, „entweder du willst eine Pose markieren, oder ...“
„Oder? ...“ fragte lächelnd Ssanin.
Nowikow zuckte schweigend mit der Schulter und blickte zur Seite. Die andere Auffassung sollte Ssanin als einen gemeinen, verdorbenen Menschen bezeichnen. Das aber konnte er ihm nicht sagen, weil er für ihn stets, schon auf dem Gymnasium, eine aufrichtige Zuneigung empfunden hatte. Wirklich gefiel ihm dieser schlechte Mensch, trotzdem er fühlte, daß es eigentlich nicht der Fall sein durfte; das schlug sich in Nowikow als schwere und trübe Stimmung nieder. Die Erinnerung an Lyda war ihm schmerzlich und setzte ihn in Verlegenheit; und doch konnte er, da er Lyda vergötterte und das große und tiefe Gefühl selbst, welches er für sie empfand, anbetete, Ssanin wegen der Erinnerung nicht böse sein. Sie war qualvoll, aber gleichzeitig auch beglückend, als hätte jemand sein Herz ergriffen und leise gedrückt.
Ssanin schwieg und lächelte; sein Lächeln war aufmerksam und zärtlich.
„Nun, denke dir nur die richtige Bezeichnung aus; ich warte ein Weilchen, ich habe es nicht eilig.“
Nowikow schritt noch immer die Allee auf und ab und man sah ihm an, daß er aufrichtig litt.
Mill kam herbeigelaufen, schnüffelte besorgt umher und begann, sich an Ssanins Knieen zu reiben. Augenscheinlich war er über etwas froh und wünschte seine Freude auch den andern mitzuteilen.