Wenn es hier voller Menschen, Lärm und Lust ist, dann kommt Pjotr Iliitsch niemals hierher. Vielleicht fühlt er instinktiv, wie alt, armselig unscheinbar er ist, und die Menschen mit ihrem Lachen und fröhlichen Mienen stören ihn, auf das zu lauschen, was nur für ihn vernehmbar klingt ...

Er geht an den Villen vorbei, setzt sich auf eine verlassene Bank und schaut lange, lange vor sich hin, bis der jetzt erkaltete Himmel dunkel wird; so empfindet er wohl das Wehen der Ewigkeit, die unsichtbar über diesem Flecken menschlicher Lust und Freude schwebt.

Dann geht er unter den gravitätischen Eichen zum Flusse hinunter; er schaut auf das verstummte Wasser. Dann legt er sich ins trockene Gras und hört stundenlang mit dem Ohr an der Erde, ihrem lautlosen Gespräche zu und atmet ihren ruhigen würzigen Odem ein.

Bis an die wildesten Plätze schlägt er sich durch, wo Fluß und Berg zusammenstoßen und der Berg sich langsam in den Fluß hineinschiebt, als ob er ihn erdrücken wollte; es war ihm nur noch nicht gelungen. Der Fluß lachte über den Berg, erschauerte völlig unter seinem blauen, silbernen Lachen; der Berg blieb düster, die Bäume rauschten. Manchmal drängten sich riesige Eichen vom steilen Ufer ins Wasser herab und versenkten ihre herunterhängenden Aeste in der rollenden lachenden Tiefe.

Wellen spielen im Flusse — blau vom Himmel und grün von der Erde; es scheint, daß jemand in fliegender Eile auf der Wasserfläche unverständliche, geheimnisvolle Schriften schreibt. Schreibt sie und verwischt sie, und schreibt eilig wieder und verwischt sie von neuem.

Was diese Schriften erzählen — das kann niemand lesen, aber offenbar dringen sie Pjotr Iliitsch, der sie stundenlang betrachtet, tief ins Herz; still und ruhig machen sie ihn wie der verglimmende Abend des menschlichen Lebens.

Wald, Fluß, Felder und Erde geben ihm etwas, was ihm sein versoffenes armseliges Leben nicht zu geben vermochte, was aber seine Seele bis in die tiefsten Winkel erfüllt. Und das Aussehen des alten Kirchensängers ist bei solchen Streifzügen voll heimlicher Nachdenklichkeit und Würde.

Wenn er dann zurückkehrt und einem seiner wenigen Bekannten begegnet, erzählt er ihm etwas mit feierlichen Mienen; er versucht mitzuteilen, was er nicht mitteilen kann. Und immer wieder schließt er, ohne selbst zu wissen, warum, mit dem gleichen Satz:

„Ja, im Winter ... s’ ist dort herrlich! — Ganz still. — So, — — die Schneeflöckchen schwanken in der Luft, — fallen ... die Sänger singen! ...“

Eine Stimme steigt in die höchsten Höhen, sie löst sich in der Luft auf; oh, man kann fühlen, daß es dieser Mensch trotz seiner Armseligkeit wahrhaft versteht, auf ganz eigene Weise die tiefsten Feinheiten der Lebensschönheit zu ergreifen. Wenn er einen Augenblick von Arbeit und Sorge um das Stück Brot, von Wodka und Krankheit frei wird, dann füllt er sein Leben so restlos schön aus, daß seine Seele glücklich ist.