Jurii schloß die Augen und sah ganz deutlich den kläglichen Petersburger Tagesanbruch, nasse Ziegelmauern, einen Galgen, der als farblose Silhouette am bläßlichen Himmel klebte ...
Oder ein bestialisches Gesicht, ein Revolverlauf an der Schläfe, Entsetzen, das gar nicht auszudenken sein scheint und das doch gedacht werden muß, der Knall des Schusses gerade ins Gesicht ...
Oder die Nagaiken schlagen über Kopf und Rücken ... über den entblößten Körper — — Auch damit würde ich rechnen müssen! — Oder würde es mir gleichgültig sein? — — —
Jurii ließ traurig die Hände fallen.
Die Heldentaten verblaßten, versanken und zerrannen im Nebel; an ihrer Stelle lugte die spöttische Fratze eigener Ohnmacht hervor und des klaren Bewußtseins, daß alle diese großartigen Träume nichts als Spielereien seines Hirns sind.
— — — Aus welchen Gründen soll ich meine Person in Schändung und Tod führen, nur damit die Arbeiter des zweiunddreißigsten Jahrhunderts keinen Mangel an Nahrung und Geschlechtsgenüssen leiden! Der Teufel möge sie doch holen, alle Arbeiter und Nichtarbeiter der ganzen Welt! ...
Und wieder fühlte Jurii die Aufwallung seiner lächerlichen, völlig gegenstandslosen Empörung. Der verzehrende Wunsch, etwas von sich abzuwälzen, abzuschütteln, peitschte ihn auf. Aber unsichtbare Krallen hielten ihn fest, und der kriechende Druck endgültiger Erschlaffung schlich immer näher an Hirn und Herz heran und hüllte den lebendigen Körper mit toter Gleichgültigkeit ein.
— — — Wenn mich nur irgend jemand niederschlagen wollte ... dachte Jurii schlaff, — unerwartet, von hinten, damit ich meinen Tod nicht bemerke. Pfui Teufel, was für Dummheiten mir in den Kopf kommen! Aber weshalb denn ein Fremder und ich nicht selbst? Bin ich denn wirklich ein solches Nichts, daß ich keine Kraft mehr finde, mir selbst das Leben zu nehmen, wenn ich das klare Bewußtsein habe, daß Leben nur Qual bringt? Früher oder später muß man sterben, ob man will oder nicht! Was ist das für eine Art ... wie mit Pfennigen daran herumzurechnen.
Aber jetzt drückte sich Jurii in Gedanken bis zur Erde nieder und sah sich selbst von oben herab mit verächtlichen Mienen und schmerzhaftem Spott an:
— — — Nein, warte nur, Bruder, das bringst du nicht fertig! Aufs Grübeln verstehst du dich gut; sobald es aber zur Tat kommt ... Nein, — brauchst dir nicht erst Mühe zu geben!