Jurii streichelte traurig und zart den molligen Rücken und fühlte, daß ihm Tränen in die Kehle stiegen.
— — Das ganze Leben verloren, das ganze Leben verloren ... wiederholte er mechanisch Worte, die er selber sinnlos fand und die ihm dennoch mit feiner Schneide tief ins Herz hineindrangen.
— — — Aber das ist ja alles Unsinn! Ich habe noch mein ganzes Leben vor mir ... Ich bin doch erst sechsundzwanzig Jahre alt! rief er in Gedanken. Für eine Sekunde hatte er sich plötzlich von dem Nebel, wie eine Fliege aus dem Spinnennetz, freigemacht.
— — — Ach, es kommt ja gar nicht darauf an, ob ich sechsundzwanzig bin, nicht darauf, ob das ganze Leben vor mir liegt ... Aber was ist eigentlich der Kernpunkt. — — —
Plötzlich tauchte der Gedanke an Karssawina auf. Nach der widerwärtigen Szene von gestern konnten sie unmöglich noch zusammentreffen, doch ebenso undenkbar schien es ihm, sie nicht mehr zu sehen. Das war unmöglich. Er stellte sich ihre erste Begegnung vor, Selbstverachtung stieg betäubend in Kopf und Herz; von neuem schob sich der Gedanke, daß da der Tod das Beste sei, automatisch vor.
Der Kater bog den Rücken und knurrte rührend, so wie wenn der Samowar sein Lied zu summen beginnt. Jurii betrachtete ihn aufmerksam. Dann fing er an, vor ihm auf- und abzugehen.
— — — Vom Leben aufgefressen ... Langweilig, Elend — — Uebrigens, ich weiß nicht mehr, was ... Aber lieber der Tod, als sie nochmals zu sehen!
Nun schien sie für immer aus seinem Leben geschieden zu sein. Es war einmal ein Augenblick ergreifender, wilder Bewegung gewesen, weiblicher Nähe — — — Jetzt ist sie fort und kommt nicht mehr zurück.
Vor Jurii stand plötzlich der blasse kalte Tag seines zukünftigen Lebens; weder Licht noch Finsternis: leer, grau und schleichend, schleichend! ...
— — — Lieber Tod!