Mit schweren Schritten ging der Kutscher einen Eimer voll Wasser in der Hand, an ihm vorbei. Auch im Eimer schwammen die toten gelben Blätter.
Das Hausmädchen trat auf die Steinstufen der Terrasse, die durch die Zweige schimmerte, winkte Jurii und rief ihm etwas zu. Lange konnte er nicht verstehen, um was es sich handelte. Die Verbindung zwischen ihm und allem, was ihn umgab, begann zu reißen, sich aufzulösen. Mit jedem Augenblick wurde er, von außen nicht merklich, allem ferner und ferner, weil er sich von der ganzen Welt in die dunkle Tiefe seines einsamen Wesens zurückzog.
„Ach so, gut ...“ sagte er, als er endlich verstanden hatte, daß ihn das Hausmädchen zu Tisch rufen soll.
— — — Mittag essen? fragte er sich erschrocken. Mittag essen gehen! Also, alles wird beim alten bleiben ... Wieder leben, wieder jammern, wieder suchen, wie man die Geschichte mit Karssawina einrenken kann, einsam sein, mit meinen Gedanken, mit allem? ... Es muß bald geschehen, sonst ... zu Mittag essen gehen — — nachher habe ich keine Zeit mehr!
Eine eigentümliche Hast bemächtigte sich seiner, ein Zittern schüttelte seinen ganzen Körper, drang fein durch alle Gelenke hindurch, in die Brust, in die Arme, bis hinunter in die Füße. Dabei hatte er die Ueberzeugung, daß es doch zu nichts kommen würde, daß eben alles nur so. — — — Gleichzeitig damit aber prägte sich die Enge des Alltags noch schärfer aus und Töne des Entsetzens gellten in seinen Ohren. Das Hausmädchen stand, die Hände unter der weißen Schürze, auf der Terrasse, und ging nicht fort, sie wollte augenscheinlich noch ein paar Züge der herbstlichen Gartenluft mit hineinnehmen.
Jurii trat verstohlen unter die Eichen, damit er nicht von der Terrasse aus gesehen würde, und während er gleichzeitig auf das Stubenmädchen sah, ob sie nichts bemerke, drückte er den Revolver sehr rasch und unerwartet gegen die Brust ab. Versagt, — — — schwirrte es im selben Moment freudig durch seinen Kopf zusammen mit dem drängenden Verlangen, zu leben und der Furcht vor dem Tode. Jetzt sah er aber gerade über seinen Augen den Wipfel der Eiche, — den blauen Himmel und den rötlichen Kater, der mit ein paar Sätzen fortsprang.
Das Hausmädchen stürzte mit einem Schrei ins Haus und wie es Jurii vorkam, befanden sich auch sofort eine Menge von Menschen neben ihm. Jemand goß ihm kaltes Wasser auf den Kopf; auf seiner Stirn klebte ein gelbes Blatt, das ihn furchtbar störte. Aufgeregte Stimmen ertönten um ihn herum, jemand weinte und schrie:
„Jura, Jura, wozu ... wozu?“ — — —
— — — Da weint Ljalja, dachte er.
Im selben Augenblick öffnete er die Augen und begann in wilder tierischer Verzweiflung um sich zu schlagen und zu schreien: „Einen Arzt, ruft einen Arzt ... Schneller!“