Ssanin wußte schon, daß er Sarudin hieß, Rittmeister war und sich beharrlich und eindringlich um Lyda bemühte. Der andere Offizier war ein Leutnant Tanarow, der Sarudin für das Muster eines Offiziers hielt und nur den einen Wunsch hatte, ihm in allen Dingen gleichen zu können. Er war aber schweigsam und wenig gewandt, auch war sein Gesicht weniger hübsch als das Sarudins. Er klirrte ebenso mit den Sporen, sagte aber nichts.

„Du!“ antwortete Ssanin plötzlich auf die Frage seiner Schwester, doch in einem Tone, der viel zu ernst klang.

„Natürlich eine Schönheit und vergiß nur nicht, gleich hinzuzufügen, eine unbeschreibliche.“ Lyda lachte hell auf und warf sich mit dem ganzen Körper in den Korbsessel, während sie gleichzeitig mit einem Blick das Gesicht ihres Bruders streifte. Langsam hob sie beide Hände zum Kopf, wodurch sich ihre hohe, elastische Brust erhaben ausprägte und begann die Nadeln aus dem Hut zu ziehen. Dabei ließ sie eine dieser Nadeln, lang wie Stacheln, in den Sand niederfallen und verwickelte ihren Schleier in das Haar und in die andere Nadel.

„Aber Iwan Pawlowitsch, so kommen Sie mir doch zu Hilfe,“ wandte sie sich kokett bittend an den schweigsamen Leutnant.

„Ja, wirklich, eine Schönheit,“ wiederholte Ssanin nachdenklich, ohne seine Augen von ihr zu lassen.

Lyda schielte wieder mit einem mißtrauischen Blick zu ihm herüber.

„Wir sind hier alle nur Schönheiten!“

„Was sind wir? ...“ lachte Sarudin. „Nur eine armselige Staffage, auf deren Hintergrund sich Ihre Schönheit noch heller und prunkvoller abhebt.“

„Wie elegant Sie sich ausdrücken,“ sagte Wladimir Petrowitsch und durch seine Worte klang eine leichte Nuance von Spott hindurch.

„Lyda Petrowna wird jeden dazu bringen, sich so auszudrücken,“ bemerkte tiefsinnig der schweigsame Tanarow, der mit vielem Eifer versuchte, Lydas Hut zu lösen, sie aber so am Haare zerrte, daß sie zugleich ärgerlich wurde und lachte.