Sie hat sie also auch schon dazu gebracht,“ meinte gedehnt und verwundert Wladimir Petrowitsch.

„Laß sie doch,“ raunte ihm Nowikow unaufrichtig und doch mit einem Gefühl des Vergnügens zu.

Lyda sah mit zusammengekniffenen Augen grade in die ihres Bruders und an ihren verdunkelten Pupillen konnte Ssanin deutlich lesen: ... Denke nicht, ich wüßte nicht gut, was das alles bedeutet. Aber es macht mir Spaß. Ich bin nicht dümmer als du und weiß genau, was ich tue.

Ssanin lächelte ihr zu; der Hut war endlich abgenommen und Tanarow trug ihn feierlich auf den Tisch.

„Ach was sind Sie für ein Mensch, Iwan Pawlowitsch,“ rief Lyda, im Augenblick ihren Blick verändernd, wieder liebenswürdig und kokett. „Sie haben mir die ganze Frisur verdorben. Jetzt muß ich erst ins Haus gehen.“

„Oh, das werde ich mir niemals verzeihen,“ murmelte Tanarow verlegen.

Lyda erhob sich schnell, raffte das Kleid zusammen und während sie die erregenden Blicke der Männer auf sich gerichtet fühlte, lachte sie grundlos auf und lief die Steinstufen hinauf.

Als sie verschwunden war, fühlten sich alle unwillkürlich freier, erschlafften und ließen den Körper zusammenfallen; sie verloren jene nervöse Spannung der Bewegung, welche die Männer in Anwesenheit eines jungen und schönen Mädchens empfinden.

Sarudin nahm eine Zigarette aus seinem Etui und begann, schon während er sie ansteckte, behaglich zu sprechen. Aber man hörte heraus, daß er nur aus Gewohnheit das Gespräch fortführte, und daß er dabei an etwas ganz anderes dachte:

„Heute riet ich Lyda Petrowna alles im Stich zu lassen und ganz ernsthaft mit Gesangsunterricht zu beginnen. Mit ihrer Stimme hat sie sicher eine Karriere vor sich.“