Die schwarze Erde hatte Jurii verschlungen und schloß sich wieder; um die Gruft drängten noch lange Menschen, spähten mit banger fragender Neugierde in die Finsternis ihres Schicksals und sangen ernste Klagelieder.
In dem furchtbaren Augenblick, als der Deckel des Sarges aus dem Gesichtsfeld verschwand und sich für immer ewige Erde zwischen den Lebenden und dem Toten ausbreitete, schluchzte Karssawina gellend auf, und die hohe weibliche Stimme erhob sich im Weinen hoch über den stillen Kirchhof und den in Gram und Unruhe verstummten Menschen.
Karssawina nahm nicht mehr darauf Bedacht, daß die Leute ihr Geheimnis erraten könnten. Und es errieten auch alle. Aber das Grauen des Todes, der das Band zwischen dem in die Erde Gesenkten und dem weinenden jungen Mädchen, die ihm ihr ganzes Leben, ihre Jugend, ihre Schönheit geben wollte, zerschnitt, war so offensichtlich, daß niemand mit einem heimlichen Gedanken die unverhüllte Frauenseele zu verletzen wagte.
Nur noch tiefer senkten sich voll unbewußter Achtung und voller Mitleid die Köpfe.
Karssawina wurde fortgeführt, und ihr Schluchzen, das allmählich in ein stilles hoffnungsloses Wimmern übergegangen war, verhallte in der Ferne. Ueber der Gruft wuchs ein länglicher grüner Hügel auf, der unheimlich an den unter ihm verborgenen Körper erinnerte. Schnell überdeckte man ihn mit einer grünen Tanne, deren Zweige noch seine Seiten umschlossen.
Da geriet Schawrow in Eile. —
„Herrschaften, jetzt muß eine Rede kommen, ... Herrschaften, so geht es doch nicht, wie?“ sprach er geschäftig und doch in auffallend klagendem Tone, bald zu einem, bald zum anderen.
„Bitten Sie doch Ssanin,“ schlug Iwanow hinterlistig vor.
Schawrow sah ihn erstaunt an, aber Iwanows Gesicht sah so treuherzig und offen aus, daß er ihm glaubte.
„Ssanin, Ssanin ... wo ist Ssanin, Herrschaften?“ er eilte und spähte mit seinen kurzsichtigen Blicken nach allen Seiten umher.