„Lyda würde sich aber auf dem Theater ganz effektvoll machen. Ich hätte selbst Lust, das mit anzusehen.“
Obgleich sich durch diese Worte Ssanins bei allen eine instinktive, gierige Lüsternheit regte, wurde ihnen doch peinlich zumute. Sarudin, der sich für intelligenter und abgeschliffener als die anderen hielt, glaubte verpflichtet zu sein, sie aus dieser unangenehmen Situation herauszureißen.
„Und was muß nach Ihrer Meinung eine Frau tun? ... Heiraten? ... Auf die Universitäten laufen? ... Und dafür ihr Talent vernachlässigen? ... Das wäre gradezu ein Verbrechen an der Natur, die sie mit ihren besten Gaben ausgestattet hat.“
„Nun, nun,“ sagte Ssanin mit unverhohlenem Spott. „Aber in der Tat, mir selbst ist niemals der Gedanke an dieses Verbrechen auch nur in den Kopf gekommen.“
Nowikow lachte schadenfroh auf, erwiderte aber Sarudin aus Höflichkeit: „Weshalb denn ein Verbrechen? ... Eine gute Mutter oder eine gute Aerztin ist doch tausendmal mehr wert als jede Schauspielerin.“
„Nanu,“ rief Tanarow entrüstet.
„Wird es euch wirklich nicht langweilig, Herrschaften, all dieses dumme Zeug zusammenzuschwatzen? ...“
Sarudin blieb die Erwiderung in der Kehle stecken und auch den anderen schien es mit einemmal, als ob es langweilig und nutzlos wäre, noch weiter zu sprechen. Nichtsdestoweniger fühlten sich alle durch Ssanins Einwurf beleidigt. Es wurde still und sehr langweilig.
Maria Iwanowna und Lyda waren bei dem letzten Satze Wladimir Petrowitschs auf die Terrasse hinausgetreten und hatten ihn gehört; sie verstanden aber nicht, um was es sich eigentlich handelte.
„Ihr seid ja mit eurer Unterhaltung ziemlich schnell bei der Langeweile angekommen. Gehen wir zum Fluß hinunter; da ist’s jetzt am hübschesten.“