Nowikow fühlte, daß er abwechselnd errötete und erblaßte; ein Gefühl der Uebelkeit stieg in ihm auf und der Kopf schwindelte ihm.
„Ich ... sehen Sie ... Lyda Petrowna ... wenn Sie ... vielleicht geneigt wären, meine ... Frau ...“ seine Zunge schlotterte und er wurde sich bewußt, daß man in solchen Augenblicken nicht so sprechen dürfe wie er. Und bevor er noch geendet hatte, erwartete er es schon als etwas ganz Selbstverständliches, daß sich sogleich ein sehr beschämender Vorgang, der ebenso töricht wie lächerlich wäre, abspielen müsse.
Mechanisch erkundigte sich Lyda noch einmal: „Wessen? ...“ Und plötzlich wurde sie glühend rot, stand auf, setzte zu einer Antwort an, sagte aber nichts und wandte sich voller Verlegenheit ab. Jetzt schaute ihr der Mond grade ins Gesicht.
„Ich liebe Sie!“ Nowikow bebte am ganzen Körper; er hatte die Empfindung, als ob der Mond zu leuchten aufgehört hätte, als ob es im Garten überaus schwül sei und alles irgendwo in einen hoffnungslosen, furchtbaren Abgrund stürze. „Ich verstehe nicht zu reden. Aber das ist ja gleich. Ich habe Sie sehr gern!“
— — — Wozu brauche ich hier das sehr, dachte er plötzlich, als wollte ich über Vanille-Eis sprechen. Er verfiel in Schweigen. Lyda zupfte nervös an einem Blättchen, das ihr grade in die Hand kam. Es machte sie verlegen, weil seine Worte für sie gänzlich unerwartet und unnötig waren. Sie riefen eine traurige Stimmung, die nichts wieder gut machen konnte, zwischen ihr und Nowikow hervor, an dessen Person sie seit langem fast wie an einen Verwandten gewöhnt war und den sie auch ein wenig liebte.
„Ich weiß wirklich nicht! ... Ich habe niemals an so etwas gedacht.“
Nowikow fühlte sein Herz mit einem stumpfen Schmerz irgendwohin zurückfallen. Er wurde noch blässer, stand auf und griff zur Mütze.
„Auf Wiedersehen!“ sagte er, ohne daß seine Stimme ihm selbst in den Ohren nachgeklungen hätte. Seine Lippen verzerrten sich zu einem unpassenden, widersinnigen und bebenden Lächeln.
„Wo wollen Sie denn hin? ... Auf Wiedersehen!“ Lyda war verwirrt; beim Händereichen bemühte sie sich, harmlos zu lächeln.
Nowikow drückte rasch ihre Hand und ohne die Mütze aufzusetzen, lief er mit hastigen Schritten über das betaute Gras, geradeaus durch den Garten. Als er in die ersten Schatten eintrat, griff er sich erregt in die Haare: — — — Oh, mein Gott, warum bin ich so unglücklich? ... Sich eine Kugel durch den Kopf jagen? ... Ach, das sind ja alles nur Bagatellen. Aber doch, sich eine Kugel durch den Kopf jagen ... so schoß es wirbelnd und zusammenhangslos durch seine Gedanken und er hielt sich für den unglücklichsten Menschen, für völlig entehrt und lächerlich.