„Wozu? ... Nun, um Sie endlich einmal frei anschauen zu können. Um mit Ihnen ein freies Wort zu sprechen. Wie wir jetzt zusammenkommen, das ist eine Folter. Sie quälen mich. Lyda, Sie kommen, ja? ...“ wiederholte er, seine bebenden Kniee an ihren elastischen und warmen Schenkel drückend.
Diese Berührung seiner Kniee brannte in ihr wie glühendes Eisen; um sie erhob sich nur noch ein dichter, traumschwüler Nebel. Ihr ganzer, biegsamer Körper erstarb; er schob und zog sich ohne ihren Willen dem seinen entgegen. Ihr wurde qualvoll gut und scheu zumute. Ringsumher hatte sich alles in sonderbarer, unbegreiflicher Weise verändert. Der Mond war kein Mond mehr, er leuchtete nahe, ganz nahe durch das Gitter der Terrasse, als hinge er grade über der hellerleuchteten Lichtung. Der Garten, nicht jener, den sie bisher gekannt hatte, sondern ein anderer, der viel dunkler und geheimnisvoller war, rückte dicht an sie heran und drängte sich um sie. Ihr Kopf schwindelte langsam und nachhaltig. Doch, sich mit eigenartiger Lässigkeit biegend, entwand sie sich seinen Armen und flüsterte mühsam durch die plötzlich wie ausgetrockneten Lippen:
„Gut!“
Schwankend und schwerfällig ging sie ins Haus; sie verstand daß etwas Furchtbares, Unabwendbares geschehen war, das sie lockte, lockte, das sie in den Abgrund zog.
— — Es ist ja nur eine Bagatelle, es wird nichts sein, ich mache nur Spaß; ganz einfach, weil es mir interessant ist, ein Scherz, weiter nichts; — — so bemühte sie sich selbst zu überzeugen, als sie in ihrem dunklen Zimmer vor dem Spiegel stand und darin nur ihren Schatten sah, welcher durch den Widerschein der vom Eßzimmer aus beleuchteten Türe hineingeworfen wurde. Sie hob langsam die Hände über den Kopf, knackte die Finger zusammen und dehnte sich leidenschaftlich; dabei beobachtete sie die Bewegungen ihrer schlanken Taille und ihrer breiten, runden Hüften.
Sarudin durchschauerte es, als er allein geblieben war; er knirschte mit den Zähnen und zuckte, die Augen schließend, mit den Achseln. Wie gewöhnlich fühlte er sich glücklich und er empfand, daß ihm ein noch größeres Glück bevorstände. Lyda erschien ihm in dem Augenblick, in dem sie sich ihm hingeben würde, so ungewöhnlich, so wollüstig schön, daß ihm die Erregung physische Schmerzen verursachte.
In der ersten Zeit, als er anfing, ihr den Hof zu machen und auch später noch, als sie ihm schon erlaubte, sie zu umarmen, konnte er ein Gefühl der Furcht in sich nicht unterdrücken. In ihren verdunkelten Augen lag etwas Fremdes, das ihm unbegreiflich war, wie, wenn sie ihn trotz ihrer Liebkosungen doch im geheimen verachtete. Sie erschien ihm so klug, so allen jenen Frauen und Mädchen unähnlich, bei denen er stolz seine Ueberlegenheit empfunden hatte; — — ihr klares Selbstbewußtsein zeigte sie so deutlich, auch während er sie küßte, daß er bei den Umarmungen zurückhaltend und ängstlich wurde, als erwartete er in jedem Augenblick, eine Ohrfeige zu bekommen. Der Gedanke, sie ganz zu besitzen, rief in ihm nur stärkere Furcht hervor. Mitunter kam es ihm geradeso vor, als spielte sie nur mit ihm und seine Rolle schien ihm dann einfach dumm und lächerlich.
Nach dem heutigen Versprechen jedoch, welches sie ihm mit einer eigentümlich ersterbenden, willenlosen Stimme, die er schon von anderen Frauen her kannte, gegeben hatte, fühlte er, wie seine Kraft unerwartet zurückkehrte. Er verstand, daß nun alles so kommen mußte, wie er es wollte.
Und in das beklemmende Gefühl wollüstiger Sehnsucht mischte sich fein und unbewußt eine Spur von Schadenfreude darüber, daß dieses kluge und gebildete Mädchen, welches so stolz und rein war, ihm ebenso unterliegen würde, wie alle die anderen, und daß sie mit sich dasselbe vornehmen lassen sollte, was er bei den andern zu tun pflegte.
Harte, brutale Szenen stiegen vor ihm empor und schwebten nebelhaft vor seinen Augen auf und ab; sie waren voll überreizter Wollust und von ausgesprochener Niedrigkeit. Als Mittelpunkt drängte sich allmählich das Bild von Lydas nacktem Körper hervor. Sarudin sah ihr aufgelöstes Haar, ihre klugen Augen; alles das verband sich zu einer wilden Orgie überhitzter Grausamkeit. Plötzlich erblickte er sie deutlich vor sich auf dem Boden liegen, hörte das Sausen seiner Reitpeitsche und ein rosiger Streifen zog über ihren nackten, zarten Körper, der sich in sklavischer Unterwürfigkeit zuckend dehnte und streckte. Unter einem plötzlichen Aufschießen des Blutes, das ihm ins Gehirn stieg, schwankte er zitternd gegen das eiserne Geländer der Terrasse. Goldene Kreise, Flammen schwirrten ihm vor den Augen. Es war ihm physisch unerträglich, weiter zu denken. Mit bebenden Fingern zündete er eine Zigarette an, seine starken Füße hatten alle Kraft verloren; er trat ins Haus.