— — — „Er bleibt aber doch ein interessanter Kerl,“ dachte er selbstgefällig, als wenn ihm Ssanin bis zu einem gewissen Grade angehöre und er selbst für dieses Interesse in Frage komme. Dann öffnete er die Haustür und schritt, immer noch kopfschüttelnd und von angenehmem Nachdenken angeregt, in seine Wohnung.
Ssanin kehrte gleichmütig nach Hause zurück, kleidete sich aus, legte sich nieder, zog die dicke Decke hoch und wollte zum Zarathustra greifen, den er bei Lyda gefunden hatte.
Aber schon von der ersten Seite an war ihm das Buch langweilig. Die aufgeblasenen Bilder erweckten in seiner Seele keinen Rhythmus, er spuckte drauf, warf es beiseite und schlief sofort ein.
IV
In das Haus des Obersten Nikolai Jegorowitsch Swaroschitsch, das nicht weit von dem der Ssanins lag, war der Sohn zurückgekehrt, ein Student der technischen Hochschule. Die Behörde hatte ihn aus Moskau ausgewiesen und unter Aufsicht der Heimatspolizei gestellt, weil er verdächtig war, an einer revolutionären Verbindung teilgenommen zu haben. Jurii Swaroschitsch hatte seine Familie schon früher davon benachrichtigt, daß er verhaftet worden sei und ein halbes Jahr lang im Gefängnis sitzen mußte; auch von seiner Ausweisung schrieb er ihnen, sodaß seine Ankunft niemanden überraschte. Gewiß war Nikolai Jegorowitsch anderer Ansicht wie sein Sohn und die ganze Geschichte hatte ihn aufs äußerste betrübt, aber doch sah er in dessen Handlungsweise nur jugendliche Torheit, und empfing ihn voll zärtlicher Liebe. Absichtlich vermied er es, die Unterhaltung auf dieses Thema zu bringen.
Jurii war drei Tage lang ununterbrochen in der dritten Klasse gefahren, wo man vor dem Gebrüll kleiner Kinder und den schwülen, muffigen Ausdünstungen nicht schlafen konnte. Er kam furchtbar müde und abgespannt nach Hause. Kaum hatte er den Vater und seine Schwester Ludmilla, die in der ganzen Stadt nur mit ihrem Kindernamen Ljalja gerufen wurde, begrüßt, so legte er sich schon in ihrem Zimmer schlafen.
Er erwachte erst gegen Abend, als die Sonne im Untergehen war, und ihre rötlichen Strahlen die Umrisse des Fensters an der Wand mit bunten Farben umzogen.